Leseproben und Projektbeschriebe

«In unserer Stadt gibt es viele Aktivitäten für Kinder»

Eine rumänische Stadt, in der man ungarisch spricht: Da lebt Aron (9) aus Thun – zusammen mit 8 Geschwistern.

Migros-Magazin, 17. Augst 2016  |  April 2016  |   2 Minuten

Ausgewandert  von Thun nach Miercurea Ciuc, Rumänien: Aron (9) könnte mit seiner Familie eine Fussballmannschaft gründen. Zum Abendessen kommen in seinem geräumigen 7-Zimmer-Haus jeweils elf Familienmitglieder zusammen: Arons Eltern, seine zwei leiblichen Brüder und sechs Pflegekinder, die zwischen 5 und 13 Jahren alt sind. Arons Mutter ist Schweizerin, sein Vater ist Szekler: Diese sind ein Ungarisch sprechendes Volk in Rumänien. Seine Mutter kam vor 18 Jahren für das kleine Schweizer Hilfswerk «Direkthilfe Rumänien» nach Miercurea Ciuc. Die gelernte Arztgehilfin sollte eigentlich nur drei Monate bleiben. Sie gründete aber mit ihrem künftigen Mann, einem Lehrer und Psychologen, ein staatlich anerkanntes Kinderheim, wo sie ein Paar wurden. So schufen sie ein familiäres Zuhause für zahlreiche «Sozialwaisen» und ihre leiblichen Söhne. Miercurea Ciuc ist eine grüne Stadt mit hübscher Fussgängerzone in der Region Siebenbürgen. Von den ca. 36'000 Einwohnern der Stadt sind über 34'000 Szekler. Daher gilt hier nebst Rumänisch auch Ungarisch als Amtssprache. In der staatlichen Schule lernen die Kinder rumänisch.

«Bei uns zu Hause sagen alle Kinder «Mami» und «Papi» zu meinen Eltern. Klar, wir Geschwister haben auch mal Streit untereinander, aber viel öfter spielen wir zusammen, zum Beispiel Unihockey, ungarisches UNO oder Poker. Meine Pflegegeschwister und Brüder besuchen die staatliche Schule oder den Kindergarten. Ich gehe da nicht mehr hin, weil ich zu Hause besser lernen kann. Darum unterrichtet mich meine Mutter jeden Morgen nach den Methoden einer Fernschule aus Amerika. Ich lerne auch oft selbstständig. Mit meiner Mutter spreche ich Schweizerdeutsch, mit dem Rest der Familie Ungarisch. Wir haben in der Familie immer wieder auch Praktikanten, die uns ein wenig Englisch beibringen.  

Ich bin Goalie im Eishockey und trainiere täglich. In den kalten Monaten findet das Training in der Eishalle statt, im Sommer auf dem «Schuttiplatz» vor der Halle. Wir haben schon Ländermeisterschaften in Ungarn und Rumänien gewonnen! Ich mache jedes Jahr Ferien in der Schweiz und besuche dort jeweils auch Eishockey-Lager. Mhhm, das Schweizer Schoggi-Joghurt ist so fein! Beim Grossmami kann man toll im Thunersee baden gehen.

In unserer Stadt nehme ich oft an Kinderaktivitäten teil, die hier das Csiki Szekely Muzeum oder andere private Organisationen anbieten. Wir machen da zum Beispiel technische Experimente, lernen Pfeilbogenschiessen oder erfahren etwas über die alten Ägypter. Es gibt hier auch ein Hallenbad, das wir viel nutzen und eine Buchhandlung, die lässige Angebote für Kinder organisiert: Da gehe ich gerne hin, zum Basteln, für Lesungen oder für Filmvorführungen. Einmal pro Woche habe ich auch Geigenunterricht. Der Lehrer ist streng, bringt mir aber viel bei.»

 

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