Leseproben und Projektbeschriebe

Den Rittern von Hünenberg auf der Spur

Geschichte sinnlich erleben – das Museum Burg Zug bietet eine ebenso unterhaltsame wie informative Zeitreise ins Mittelalter.

Für das Familienmagazin Schweizer Familie, 37/2018  |  September 2018  |   3 Minuten

Kaum haben wir das Burgtor am Rande der Zuger Altstadt durchschritten, sind unsere Kinder schon ausgeschwärmt: Die Treppe hoch in die verwinkelten Gemächer der Burg. Die Jüngste finden wir wieder vor einem Touch-Bildschirm, auf dem sie Tapeten gestaltet. Wir stehen in einem Raum, der uns die Geschichte der Tapeten und des kunstvollen Tapetendrucks näherbringt. Der Teenager steht in einem dunklen, mystisch wirkenden Raum voller Heiligenfiguren und blättert in einem magischen Buch. Mein längst erwachsener Göttibub rüstet sich zum Spass mit Kettenhemd und Ritterhelm – hinter ihm glänzen Harnische und Hellebarden.

Heute wird hier das Ritterdasein nur gespielt, im 14. Jahrhundert aber lebten an dieser Stelle noch die echten Ritter von Hünenberg. Die Anfänge der Burg liegen im 12. Jahrhundert. Der heutige Bau ist indes aus dem 18. Jahrhundert. Während wir ächzend versuchen, die schweren Kettenhemden hochzuheben, berichtet eine Stimme aus dem Lautsprecher, wie sich Schweizer Söldner im hohen Mittelalter in fremden Diensten ein Zubrot verdienten.

Egal, wie alt die Musemsbesucher sind: Hier im Museum Burg Zug werden auch die Grossen wieder zu Kindern: Sie spielen, lernen mit allen Sinnen und staunen: Zum Beispiel über das erwähnte, übergrosse Buch, dessen Seiten erst weiss daliegen und dann wie durch Zauberhand historische Bilder und Info-Texte erscheinen lassen. Nein, eigentlich ist das nicht magisch, es wirkt nur so. In Wirklichkeit projiziert ein Deckenmonitor die Bilder auf die Seiten. Faszinierend!

Diese Verbindung von historischen Objekten und digitalen, modernen Möglichkeiten zieht sich durch das ganze Museum – so enthebt es sich von jeglicher musealen Verstaubheit. In der seit 1982 sorgfältig renovierten Burg weht ein frischer Geist, der selbst Museumsmuffel zu irgendeiner Ecke führt, die sie zu fesseln vermag: Auch wenn dies etwa «nur» ein historisches Gesellschaftsspiel ist, das meine Nichte im Burgturm erschaudernd zum Spielen anregt – es besteht aus echten Knochenstücken.

Nur allzu rasch sind wir hier oben im Turm angekommen, weil die Kinder zu Beginn der Tour einen Fragefächer mit der Comicfigur Lili erhalten haben. Das hat ihren Entdeckertrieb geweckt – so sehr, dass sie eifrig die gesuchte Lili gefunden und somit ihr Ziel erreicht haben. Uns Eltern ging das zu schnell. Wir überlassen die Kinder dem Turm, wo man spielen, malen oder sich mit historischen Kostümen verkleiden kann – mit prächtiger Aussicht auf Altstadt und Zugersee. In aller Ruhe kehren wir nochmals in die unteren Stockwerke zurück. In jedem Raum wird ein anderes Thema aufgegriffen, das jeweils einen Aspekt der Zuger (aber auch der Schweizer) Geschichte präsentiert.

So studieren wir beispielsweise ein interaktives Modell der Stadt Zug. Es zeigt, wie sich die Stadt vom Hochmittelalter bis zur Gegenwart entwickelt hat. Ebenso könnte man sich im Raum nebenan stundenlang in Glasmalereien vertiefen – das Museum Burg Zug hat davon eine grosse Sammlung. Wo in den farbigen Bildern steckt zum Beispiel das Einhorn? Eine Museumsmitarbeiterin hat uns dazu eingeladen, es in den Gemälden zu suchen.

Es ist auffällig, wie aufmerksam die Angestellten hier walten. Man spürt ihren Stolz auf «ihre» Burg. Sie empfehlen uns, auch mal an einer Erlebnisführung teilzunehmen, welche das Museum mit einer professionellen Schauspielerin regelmässig anbietet. Man kann sich gut vorstellen, wie insbesondere Kinder auf diese Weise noch sinnlicher, mit noch mehr Interaktivität an die Geschichten der Burg und Objekte herangeführt werden.

Darum soll uns bei nächster Gelegenheit eine weitere Mittelalterreise zum Schloss Jegenstorf führen: Denn dieses bietet geführte Erlebnis- und Märchenrundgänge an. Dieser barocke Berner Patrizierlandsitz in der Nähe von Bern wird dank seiner prächtigen Parkanlage auch "Petit Versailles" genannt. Ich sehe es schon vor mir, wie unsere Familie dort umgeben von Lüstern und Stuckaturen, Brokat und Intarsien traumwandlerisch ausschwärmen wird.

 

BOX: ((max. 700 Zeichen inkl.))

Burg Zug: Die Erlebnisführungen werden seit Ende August mit neuem Inhalt angeboten. Anfahrt: Per Bahn bis Zug, weiter mit dem Bus Nr. 5 bis Kolinplatz, danach 2 Gehminuten. Per Auto: Die Parkhäuser Casino oder Frauensteinmatt liegen nahe. Mehr Infos: www.burgzug.ch

Schloss Jegenstorf: Es bietet vielseitige Aktivitäten für Familien. Per Bahn ab HB Bern oder Solothurn bis Jegenstorf, danach 3 Gehminuten. Per Auto: Ab Basel/Zürich via A1 bis Ausfahrt Kirchberg, weiter Richtung Bern bis Hindelbank, Abzweigung Jegenstorf. Ab Bern via A1 bis Ausfahrt Schönbühl, weiter Richtung Solothurn bis Jegenstorf. Parkplatz vorhanden. Mehr Infos: http://www.schloss-jegenstorf.ch

Mehr Schweizer Schlösser und Burgen: www.dieschweizerschloesser.ch 

 

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