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"Wir Förster denken über Generationen hinweg"

Eine einst barocke Gartenanlage, die an eine Kirche erinnert: Die Waldkathedrale in Beromünster LU ist ein einzigartiges Denkmal der Schweizer Gartenkunst. Dank Robert Suters Engagement wird sie behutsam saniert.

Für die Gartenzeitschrift "bioterra" Sept./Okt. 2018

(Download Original-PDF vom Portrait)

Wenn Robert Suter die Waldkathedrale von Beromünster durchschreitet, geht sein Blick unweigerlich nach oben: Sind die Baumkronen der Rosskastanien in Ordnung? Hat das letzte Gewitter Schaden angerichtet? Klopft der Specht? Wie ein Dach wölben sich die Kronen über Ihre Stämme. Die Bäume bilden die Form eines Mittelschiffes und zweier Seitenschiffe. Der Wind vom nahen Blosenberg raschelt durch die Wipfel, trägt das Wiehern eines Pferdes herbei. Vögel zwitschern. Ansonsten herrscht Stille. 
Seit über 200 Jahren dient die Parkanlage der Besinnung. Einst war sie ein barocker Garten: Zwischen 94 Rosskastanien in Reih und Glied stand damals eine dichte, niedrige Hecke aus 3500 Hagenbuchen, in der Mitte wuchs Rasen.Inzwischen ist sie zu einem Wald herangewachsen. Chorherren und Priester nutzten sie früher zur «Recréation». Heutige Besucher sind von ihrer sakralen Ausstrahlung angezogen, denn trotz Verwaldung ist der Grundriss mit Seiten- und Mittelschiff gut zu erkennen.
Suter selbst verrichtet hier seine Arbeit – einen Dienst am Wald, der ihm zugleich Passion ist: Zeitlebens schon sind Wälder für ihn Orte der Betrachtung und Konzentration. Sein Grossvater war Förster in Beromünster, sein Vater ebenso. «Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht im Wald bin», sagt er. 
Darum erkannte er, dass die Waldkathedrale dringend ein Pflegeprogramm benötigte. Bis in die 1830er-Jahre War die Anlage gehegt worden, danach sich selbst überlassen. Sie verwaldete und verwilderte zusehends. Umgestürzte Bäume wurden nicht ersetzt. 2001 Wurde Suter aktiv. Dass so eine Rettung Hartnäckigkeit in der Mittelbeschaffung verlangte, war ihm klar: «Wenn es um Finanzen geht, dann kommt der Wald immer zuletzt». Dass sich dafür keiner vordrängen würde, war im ebenso klar. Nichtsdestotrotz ging er mit Herzblut ans Werk. 
Acht Jahre kostete es ihn, bis er das Pflegeprogramm starten konnte. Viele Gespräche mit Stiftungen und Behörden, Chorherren und Gemeindevertretern waren nötig. 2009 hatte er die Finanzen und einen Sanierungsplan für die erste Etappe zusammen: 290’000 Franken. Inzwischen ist Suter Projektleiter und rechnet für die gesamte Instandstellung mit einem Zeitrahmen von über 30 Jahren. «Wir Förster denken langfristig. Wir führen für die nächsten Generationen weiter, was Generationen vor uns angefangen haben.  
Robert Suter prüft eine Reihe junger Kastanien, die die Stadtgärtnerei Luzern aus den Kastanien der Waldkathedrale aufgezogen hat. Und die er als Ersatz für die umgestürzten Bäume einpflanzen liess. Dann untersucht er einen etwa fünf Meter hohen Stumpf einer Kastanie, die nach einem Sturm abgebrochen ist. Solche Stümpfe lässt der Förster stehen, «solange sie für die Passanten keine Gefahr darstellen», sagt er. Und greift in ein Loch im morschen Gehölz, zieht eine Handvoll Mull hervor. «Das ist gut für die Biodiversität. Das Holz zersetzt sich. So kann neues Leben entstehen». Das
seien für ihn schöne Beispiele für das stete Wachsen und Vergehen im Leben, sinniert er. 
Dann zeigt er auf eine Lichtung, in die Ferne, Richtung Pilatus und die umliegenden Berge: «Wir haben uns eine ausgeklügelte Blickführung ausgedacht: So schaffen wir bewusst Ausblicke.» Das sind die Stellen in der Waldkathedrale, an denen die Baumpfleger die angrenzenden Büsche so tief schneiden, dass sie die Sicht frei geben. Ebenso kürzen sie an diesen Stellen die herabhängenden Äste. »
Suter blickt zum gegenüberliegenden Hügel. Da sieht man das Krusen-Schloss, einst das private Jagdschlösschen vom damaligen Propst Niklaus Krus. Vor über 200 Jahren amtete dieser im nahegelegenen Chorherrenstift St. Michael. Als «der Herr zu Münster» legte er den Grundstein für die Waldkathedrale: «Propst Krus hatte dem französischen König als Söldner gedient. Er war inspriert von der Eleganz und Schönheit der dortigen Parkanlagen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz brachte er die französische Gartenkunst nach Beromünster.»
Solche Geschichten gibt Suter gerne weiter. Ebenso liebt er es, Schulkindern an Führungen die Schlupfwinkel von Hirschkäfern, Mauswieseln oder Hermelinen zu zeigen. «Der Wald ist Lebensraum für viele Tiere. Er hat uns zu jeder Jahreszeit viel zu erzählen». 
Erneut blickt der Förster hoch zu einer Baumkrone und dem Stamm entlang hinunter. Weiter bis zum Wurzelwerk – als ob er durch den Boden hindurchsehen könnte. «Jeder Mensch sollte einmal einen Baum setzen», sagt er, «das ist Wichtig im Leben.» 
Wenn Robert Suter die Waldkathedrale von Beromünster durchschreitet, geht sein Blick unweigerlich nach oben: Sind die Baumkronen der Rosskastanien in Ordnung? Hat das letzte Gewitter Schaden angerichtet? Klopft der Specht? Wie ein Dach wölben sich die Kronen über Ihre Stämme. Die Bäume bilden die Form eines Mittelschiffes und zweier Seitenschiffe. Der Wind vom nahen Blosenberg raschelt durch die Wipfel, trägt das Wiehern eines Pferdes herbei. Vögel zwitschern. Ansonsten herrscht Stille. 
Seit über 200 Jahren dient die Parkanlage der Besinnung. Einst war sie ein barocker Garten: Zwischen 94 Rosskastanien in Reih und Glied stand damals eine dichte, niedrige Hecke aus 3500 Hagenbuchen, in der Mitte wuchs Rasen.Inzwischen ist sie zu einem Wald herangewachsen. Chorherren und Priester nutzten sie früher zur «Recréation». Heutige Besucher sind von ihrer sakralen Ausstrahlung angezogen, denn trotz Verwaldung ist der Grundriss mit Seiten- und Mittelschiff gut zu erkennen.
Suter selbst verrichtet hier seine Arbeit – einen Dienst am Wald, der ihm zugleich Passion ist: Zeitlebens schon sind Wälder für ihn Orte der Betrachtung und Konzentration. Sein Grossvater war Förster in Beromünster, sein Vater ebenso. «Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht im Wald bin», sagt er. 
Darum erkannte er, dass die Waldkathedrale dringend ein Pflegeprogramm benötigte. Bis in die 1830er-Jahre War die Anlage gehegt worden, danach sich selbst überlassen. Sie verwaldete und verwilderte zusehends. Umgestürzte Bäume wurden nicht ersetzt. 2001 Wurde Suter aktiv. Dass so eine Rettung Hartnäckigkeit in der Mittelbeschaffung verlangte, war ihm klar: «Wenn es um Finanzen geht, dann kommt der Wald immer zuletzt». Dass sich dafür keiner vordrängen würde, war im ebenso klar. Nichtsdestotrotz ging er mit Herzblut ans Werk. 
Acht Jahre kostete es ihn, bis er das Pflegeprogramm starten konnte. Viele Gespräche mit Stiftungen und Behörden, Chorherren und Gemeindevertretern waren nötig. 2009 hatte er die Finanzen und einen Sanierungsplan für die erste Etappe zusammen: 290’000 Franken. Inzwischen ist Suter Projektleiter und rechnet für die gesamte Instandstellung mit einem Zeitrahmen von über 30 Jahren. «Wir Förster denken langfristig. Wir führen für die nächsten Generationen weiter, was Generationen vor uns angefangen haben.  
Robert Suter prüft eine Reihe junger Kastanien, die die Stadtgärtnerei Luzern aus den Kastanien der Waldkathedrale aufgezogen hat. Und die er als Ersatz für die umgestürzten Bäume einpflanzen liess. Dann untersucht er einen etwa fünf Meter hohen Stumpf einer Kastanie, die nach einem Sturm abgebrochen ist. Solche Stümpfe lässt der Förster stehen, «solange sie für die Passanten keine Gefahr darstellen», sagt er. Und greift in ein Loch im morschen Gehölz, zieht eine Handvoll Mull hervor. «Das ist gut für die Biodiversität. Das Holz zersetzt sich. So kann neues Leben entstehen». Das
seien für ihn schöne Beispiele für das stete Wachsen und Vergehen im Leben, sinniert er. 
Dann zeigt er auf eine Lichtung, in die Ferne, Richtung Pilatus und die umliegenden Berge: «Wir haben uns eine ausgeklügelte Blickführung ausgedacht: So schaffen wir bewusst Ausblicke.» Das sind die Stellen in der Waldkathedrale, an denen die Baumpfleger die angrenzenden Büsche so tief schneiden, dass sie die Sicht frei geben. Ebenso kürzen sie an diesen Stellen die herabhängenden Äste. »
Suter blickt zum gegenüberliegenden Hügel. Da sieht man das Krusen-Schloss, einst das private Jagdschlösschen vom damaligen Propst Niklaus Krus. Vor über 200 Jahren amtete dieser im nahegelegenen Chorherrenstift St. Michael. Als «der Herr zu Münster» legte er den Grundstein für die Waldkathedrale: «Propst Krus hatte dem französischen König als Söldner gedient. Er war inspriert von der Eleganz und Schönheit der dortigen Parkanlagen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz brachte er die französische Gartenkunst nach Beromünster.»
Solche Geschichten gibt Suter gerne weiter. Ebenso liebt er es, Schulkindern an Führungen die Schlupfwinkel von Hirschkäfern, Mauswieseln oder Hermelinen zu zeigen. «Der Wald ist Lebensraum für viele Tiere. Er hat uns zu jeder Jahreszeit viel zu erzählen». 
Erneut blickt der Förster hoch zu einer Baumkrone und dem Stamm entlang hinunter. Weiter bis zum Wurzelwerk – als ob er durch den Boden hindurchsehen könnte. «Jeder Mensch sollte einmal einen Baum setzen», sagt er, «das ist Wichtig im Leben.» 
Infos: Die Waldkathedrale in Beromünster ist eine schweizweit einzigartige Gartenanlage. 1792 wurde sie als barocke «Promenade» angelegt. Damals diente sie den Geistlichen des nahegelegenen Chorherrenstifts St. Michael als Ort der Stille. Heute ist sie ein Denkmalgeschützter Wald mit der Form eines Mittel- und zweier Seitenschiffe. Sie ist frei zugänglich. Ab dem Ortszentrum erreicht man sie in wenigen Fussminuten kurz nach Beginn des Radiowanderwegs (der die Geschichte des einstigen Landessender Beromünster erzählt).