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Attacke aufs Gartenreich

Man kann einen Vernichtungskrieg führen. Oder die Weitsicht walten lassen. Hauptsache die Schädlingsbekämpfung geschieht mit natürlichen Mitteln – alles andere wäre ein Eigengoal.

Für das Naturmagazin EcoLife, 2010

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Es krabbelt und kriecht nun wieder; es sabbert und schleimt. Der Lenz ist da, und mit ihm erwachen wild entschlossene Truppen von Wollläusen, Spinnmilben und Schildläusen. Heerscharen von Schnecken, Raupen und Larven robben sich zu den Fronten – die Gartenreiche stehen unter Attacke. Ausgehungert fallen die Schädlinge ein, verfressen, verkleben, verspinnen, verbrennen unsere grünen Schützlinge und saugen ihnen den Saft aus den Lebensadern.

Wir blasen zum Halali und greifen zu... Ja, zu was denn eigentlich? Zum Giftspray etwa? Besser nicht! Denn damit würden wir auch vielen Nützlingen den Garaus machen – was später zu erneutem, verstärktem Befall von Schädlingen führt – das wäre ein Eigengoal. Zudem will man keine selbst vergifteten Beeren oder Tomaten verspeisen.

Besser setzen wir auf natürliche Schädlingsbekämpfungsmittel und führen beispielsweise eigene Kriechtruppen in die Schlacht: Da gibt es etwa die sogenannten Nematoden, weisse Fadenwürmer, die man im Millionenpack für wenige Franken kaufen kann. Sie gehen einem der häufigsten Feinde an die Kehle, dem Dickmaulrüssler. Das ist ein Käfer, der sich an liebsten an hartlaubige Pflanzen heran macht. Man erkennt an den halbmondförmigen Frassspuren an den Blättern, dass er am Werk war.

Seine Larve wiederum frisst die Wurzeln der Pflanzen. Sie wird bis zu 12 Millimeter lang, ist weisslich gefärbt und hat eine braune Kopfkapsel. Hier kommen nun die Nematoden zum Zug. Sie gelangen via Giesswasser in die Erde, spüren die Larven auf – und schlürf! – saugen sie aus. Ihr Festessen ist absolut bio, geschadet wird lediglich dem Schädling. Somit wären seine Larven k.o.; den Käfer selbst können wir in seinen aktiven Abendstunden von den Sträuchern schütteln, einsammeln und vernichten.

Auch die Blattläuse dienen manchen Nützlingen zum Festschmaus: Hierfür besorgt man sich die Larven des Adalia-Käfers (April ist die beste Zeit dafür). Daraus schlüpfen hübsche Marienkäfer, die nur eines im Sinn haben: Blattläuse à discretion verspeisen. Ein weiteres Beispiel aus dem Angebot der Andermatt Biogarten AG, dem grössten Schweizer Anbieter natürlicher Schädlingsbekämpfung, sind die Tricho-Schlupfwespen. Sie lassen sich zur Bekämpfung von Mehl-, Speicher- und Dörrobstmotten einsetzen.

Ebenso können Bazillen und Viren gewissen Schädlingen entgegenwirken: Das sogenannte Apfelwicklergranulosevirus wirkt ausschliesslich gegen die Obstmade. Nützlinge sowie alle anderen Insekten wie etwa Bienen oder Schmetterlinge werden durch die Anwendung des Präparates nicht betroffen. Das Bacillus thuringiensis wiederum vernichtet verschiedene Schadraupen auf Gemüse, Obst, Reben und Zierpflanzen.

Im Kampf gegen Spinnmilben oder Blattläuse scheinen bei Hobby-Gärtnern wahre Killerinstinkte zu erwachen. In den einschlägigen Internetforen liest man, wie sie die Viecher erfrieren, ertränken oder gar mit einem Sud aus alten Zigaretten vergiften wollen ... Das gelingt indes nicht immer.

Was erwiesenermassen besser hilft, sind altbewährte Hexenrezepte, also stinkig-grüne Kräutersuppen und Knoblauchsude. Ein Brennnesselsud schafft beispielsweise Abhilfe gegen Blattläuse. Ein Knoblauchbrühe wiederum hilft gegen Pilzbefall an Rosen.

Doch fragt es sich, ob man als Naturfreund wirklich tausende von Lebewesen vernichten will – selbst wenn es sich um Schädlinge handelt. Ob das wohl gut ist fürs Karma...? Es gibt auch sanftere Methoden, um seinen Garten zu schützen – und zwar durch Prävention.

Das bedeutet in erster Linie: Nützlinge anlocken. Also möglichst heimische Pflanzen setzen, da sie den Nützlingen Nahrung bieten. Zudem sind sie robuster als Exoten und somit an sich weniger anfällig gegen Schädlinge. Im weiteren sollte man Wohnraum für Nützlinge schaffen, also beispielsweise ein „Insekten-Hotel“ in Betrieb setzen. Darin können sich Florfliegen ansiedeln. Sie und ihre Larven fressen unter anderem Blattläuse.

Ein Haufen aus Ästchen und Blättern lädt Igel dazu ein, sich niederzulassen – sie verdanken es dem Gärtner, indem sie ihm die Schnecken wegfressen. Auch mit bestimmten Pflanzen kann man Schädlinge vertreiben: Lavendel und Rainfarn beispielsweise wehren Ameisen ab. Den Kohlweissling wiederum vertreibt man mit Dill, Salbei oder Thymian.

Ein auf diese Weise robuster Naturgarten hat zudem einen weiteren Vorteil: Er erlaubt ein Friedensabkommen mit den Schädlingen, da sie nicht mehr in Massen, sondern bloss noch geziemlich in Mini-Truppen aufkreuzen. Zu gering, um sich darüber aufzuregen. Da lassen wir das Kriegsbeil getrost liegen und lassen der Natur ihren Lauf – unsere Nützlinge werdens schon richten.

 

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