Leseproben und Projektbeschriebe

«Angenehm. 🙂 Wir können uns gerne duzen.»

Duzen oder Siezen? Warum ich dich hier duze und das Siezen dennoch liebe. Warum wir das nicht allzu eng sehen sollten.

20. Februar 2019   |   2 Minuten

Wer bist du? Wenn ich mir dich vorstelle, dann haben wir was gemeinsam, irgendein Interesse, ein Bedürfnis. Wir bilden eine Mini-Community. Allein schon deswegen duze ich Dich. Und weil wir uns online, virtuell, eben im Web, begegnen. Da ist es bekanntlich in vielen Blogs, Foren, Social-Media-Kanälen nun mal normal, dass man sich duzt. Heutige Kultur. Vor allem wenn man jung ist. Nur wann hört man auf jung zu sein!? Und wie weiss ich, wie alt oder jung du bist? Oder dich fühlst?

Würde ich auf Englisch schreiben, wäre es kein Thema. Manchmal wünschte ich, wir hätten im Deutschen einfach dieses You, das das Du und Sie so locker vereint. Indes: Dank dem ungleichen Paar Du und Sie dürfen wir auch fein unterscheiden, überwechseln, mit Nähe und Distanz spielen, mit Vertrauen und Respekt, Insider- und Outsider-Allüren.  

Wenn ich Dich vorne auf der Homepage meiner Website begrüsse, dann Sieze ich Dich. Ist doch klar. Eine Frage der Höflichkeit, ich weiss ja nicht, wer da kommt. Und du kennst mich ebenso wenig. Genauso sieze ich auch Leute, die ich im wahren Leben erstmals antreffe. Ich mag das Sie, ja echt, und zwar nicht weil ich schon über Fünfzig bin, ich mochte es schon immer: Es ist elegant, höflich, es verkörpert Respekt, es hat Stil. Ich habe einen guten Freund, den ich seit dreissig Jahren mit Vornamen anspreche, zugleich aber gerne und freiwillig Sieze. Einfach weil er so weise ist, und ich ihn deswegen so respektiere. 

Heisst das nun, dass ich das Du nur für Leute anwende, die ich nicht respektiere? Aber nein: Ich duze alle meine Kollegen auf Redaktionen, weil es in der Schweizer Journalistenszene schon immer so war, dass man sich duzt, egal ob es sich um den AD, die Chefredakteurin oder den Produzenten handelt. Da erschreckt jeweils die Kolleg*innen aus Deutschland, die neu hinzustossen. So aber ist nun mal die Schweizer Redaktionskultur, und sie ist bestimmt nicht respektloser als die deutsche. Nur informeller und weniger hierarchisch. 

Und ich duze irgendwann auch fast alle meine Kund*innen. Ja, bei der ersten Begegnungen mit ihnen galt noch das Grüezi, da war man noch per Sie, aber wir sind dann meist zum Du übergewechselt. Das ergibt sich von alleine, wenn man die Ärmel koch krempelt und an einem gemeinsamen Projekt arbeitet.

Da du nun mal hier "hinten" bei Merk'mal eingetreten bist und die Eingangslobby meiner Homepage schon hinter dir liegt, sage ich: Grüezi, willkommen, angenehm, wir können uns gerne duzen: Ich bin Gabriela und freue mich auf künftigen Austausch mit dir. 

 

Schöne Grüsse, Gabriela Bonin

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