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Innendesign: Innenarchitektin Evelyne Haussener

Die Gestalterin des Zürcher In-Clubs "Indochine" hat ihr gesamtes Wohn-Interieur selbst entworfen. Und ihre Kleider ebenso.

Für das Schweizer Frauenmagazin Meyers Modeblatt (inzwischen wurde das Magazin eingestellt), 2001

Name: Evelyne Haussener
Alter: 51
Wohnen: Mit Ehemann Urs, 52, und Sohn Philippe, 23, direkt an der Limmat in einer 200 m2 grossen Eigentumswohnung in Zürich-West.
Beruf: Innenarchtitektin, Designerin des neuen Zürcher Clubs "Indochine".
 
Ein Fischer wirft seine Rute aus, Kinder tollen über eine Wiese, Schweine suhlen im Schlamm. Jogger kreuzen sich auf dem schmalen Kiesweg entlang der Limmat. Ahornbäume lodern rot. Die morgentliche Herbstonne wirft ihr Licht durch eine grosszügige Glasfront auf Evelyne Hausseners Zeichenpläne. Wir befinden uns mitten im Industriequartier Zürich-West.
 
Das Schauspielhaus Schiffbau, der Kinokomplex Cinémax und die experimentelle Wohnüberbauung Werkhof liegen nur fünf Gehminuten entfernt. Ebenso nahe ist das Indochine, der zur Zeit exklusivste Club Zürichs, den Evelyne Haussener soeben fertig gestaltet hat: ein vier Millionen teurer Traum aus warmen Farben, dunklen Hölzern, goldenen Buddhas.

Auf Sichtweite befinden sich Bluewin, Novotel und die Weltwoche; nachts spiegeln sich die Lichter der Hochhäuser in der Limmat. Urbanität, Modernität und ein Restchen Natur finden sich hier auf einem Fleck. Evelyne Haussener geniesst aus ihrer Wohnung freie Sicht auf den Üetliberg. Weite und Freiheit sind ihr auch im Leben wichtig. Darüber zu verfügen, macht sie dankbar. Und kreativ. Dank eigener Produktionsfirmen konnte sie ihre Loft mit allen Wänden, Böden und Möbeln selber gestalten. Alles - vom Nachttischli über die Badezimmerkommoden bis zur Kücheneinrichtung - ist aus einem Guss.

Über ihren Alltag:
 
MEYER'S: Kennen Sie die Verzweiflung einer Frau, die morgens stundenlang vor dem Kleiderkasten steht und einfach nicht weiss, was sie anziehen soll?
Evelyne Haussener: Zum Glück nicht. Bei mir geht das immer ruckzuck. Muss ich frühmorgens auf eine Baustelle, dann wähle ich Jeans und Pulli. Ansonsten kleide ich mich oft sportlich-elegant.

MEYER'S: Wie beginnen Sie den Tag?
Haussener: Ich erwache ohne Wecker etwa um sechs und zwar fast immer mit irgendeiner Blitzidee. Also rasch einen Kaffe machen und meine Inspiration auf Papier bringen. Manchmal bin ich dabei so selbstvergessen, dass ich um zehn Uhr beim dritten, vierten Kaffee noch immer im Morgenmantel am Arbeitstisch sitze.

MEYER'S: Wer kocht das Mittagessen?
Haussener: Keiner. Wenn immer möglich treffen wir uns als Familie in einem Restaurant. So sehen wir uns regelmässig, können diskutieren oder Probleme besprechen. Ich schätze das sehr. Auch abends essen wir meist auswärts, dann oft mit Kunden. Am Wochenende brunchen wir ausgiebig zu Hause. Haben wir Gäste, so kocht am liebsten mein Mann. Da keiner von uns beiden gerne einkauft, machen wir es meistens gemeinsam, am liebsten in kleinen Lädli, bloss nicht in den Supermarkets. Die finde ich schrecklich.

MEYER'S: Was darf in Ihrem Kühlschrank nie fehlen?
Haussener: Milch und Kaffeerahm.

MEYER'S: Ihre Wohnung sieht aus wie "aus dem Drückli". Putzen Sie gerne?
Haussener: Ja, tatsächlich. In meinem auswärtigen Büro herrscht kreatives Chaos, aber zu Hause mag ich es ordentlich.

MEYER'S: Welche Zeitungen lesen Sie?
Haussener: Ich lese Architekturmagazine wie etwa "Architectural Digest" oder Modehefte wie die "Vogue" und die NZZ.

MEYER'S: Richten Sie sich nach Modetrends?
Haussener: Ich lasse mich davon inspirieren, entscheide letztlich aber nach meinem Geschmack. Wenn mir ein Kleidungsstück gefällt, trage ich es selbst wenn es nicht "in" ist.

MEYER'S: Sind Sie markenbewusst?
Haussener: Marken sind mir völlig egal. Wichtig ist, dass mir etwas gefällt und ich mich darin wohlfühle.

MEYER'S: Sie haben also keinen Lieblingsdesigner?
Haussener: Ich bewundere Lacroix für seine Schnitte, Formen unnd Farben, für mich persönlich wäre er indes zu pompös. John Galliano schätze ich für seine Fantasie und Kreativität. Aber ich bin Steinbock und daher eher praktisch veranlagt. So kaufe ich gelegentlich Gucci, ganz einfach, weil mir diese Stücke wie auf den Leib zugeschnitten sind. Die sitzen auf Anhieb. Viele meiner Kleider entwerfe ich indes selbst.

Über ihre Wohnung:

 
MEYER'S: Auch Ihr ganzes Wohn-Interieur haben Sie selbst entworfen. Das dunkle Holz, die edlen Einbauschränke, die verhältnismässig kleinen Schlafräume erinnert einem an eine Yacht...
Haussener: Ach, tatsächlich...? Stimmt. Diesen Einfluss habe ich wohl unbewusst hineingebracht. Wir haben als Familie mal drei Jahre auf einer Yacht gelebt. Meer bedeutet für mich Freiheit.

MEYER'S: Sie könnten sich eine Villa leisten. Warum wohnen Sie in dieser Wohnung?
Haussener: Zürich-West ist ein lebendiges Quartier, hier leben alle Nationen und Schichten von Menschen. Ich habe den Plausch unter Leuten zu sein. Am Zürichberg wohnten wir auch mal, aber nein danke, das ist ja ein Ghetto, alles wie ausgestorben. Hier hingegen kann man auch mal auf der Terrasse mit Freunden feiern, das stört keinen. Wir haben im Haus viele nette Nachbarn, und doch erlaubt die Architektur eine angenehme Privatsphäre.

MEYER'S: Wo erholen Sie sich in Ihrer Wohnung?
Haussener: Mit einem Buch auf dem Sofa. Oder im Sommer auf der Terrasse. Da ist man ganz für sich. Manchmal übe ich auch Billiard. Aber Urs und Philippe spielen öfter und besser.

MEYER'S: Ihr Sohn wohnt mit 23 noch bei Ihnen. Freut sie das?
Haussener: Ja, ich geniesse unser kollegiales Verhältnis. Wir versuchen, gegenseitig aufeinander Rücksicht zu nehmen. Das klappt bestens.

MEYER'S: Ihre Wohnung ist perfekt gestylt. Warum denn baumeln neben der Treppe zwei nackte Birnen an den Kabeln?
Haussener: Ach, so bin ich... Lieber keine Lampe als eine, die mir nicht gefällt. Ich habe für diese Ecke einfach noch nicht das passende Lichtobjekt gefunden.

MEYER'S: Was darf in Ihrer Wohnung nicht fehlen?
Haussener: Pflanzen und Kunst. Ich liebe beides. Als junge Frau habe ich mir meine ersten Bilder auf Raten abgestottert. Schauen Sie sich diese fantastische Farbtechnik von Paul Jenkins an! Dieses Bild war eines der ersten Bilder, das wir gekauft haben. Es verleidet mir nie. Ich liebe Miró und Dalí. Aber hier in diese Wohnung passen sie meiner Meinung nicht hinein. Sie gefallen mir besser in unserem Ferienhaus in Rougemont. Hier mag ich Bilder von jungen Schweizer Künstlern wie Persinger, Jeanmaire oder Rolf Ziegler.

MEYER'S: Sammeln Sie Souvenirs?
Haussener: Nein, nie. Ich sammle überhaupt nichts. Abgesehen von unseren Bildern hänge ich nicht an Materiellem. Immer wieder in unserem Leben haben wir all unser Hab und Gut verkauft und sind auf lange Reisen gegangen.

MEYER'S: Auf welche materiellen Gegenstände würden Sie dennoch nie verzichten wollen?
Haussener: Auf unsere Fotoalben, all diese Erinnerungen. Wir reisen seit über dreissig Jahren sehr viel durch die Welt. Alle Fotos davon haben wir sauber eingeordnet und beschriftet.

 
Über ihr Leben:
 
MEYER'S: In welche Länder sind Sie gereist?
Haussener: Wir waren fast überall. Vor vielen Jahren fuhren wir mit dem Zug und Schiff durch China und Japan. Oder wir reisten mit dem Camper durch die USA. Wir haben mehrere Weltreisen gemacht oder wie bereits erwähnt drei Jahre lang auf einer Yacht gesegelt. Mal lebten wir für eine Weile in Miami und längere Zeit in der Südsee.

MEYER'S: Was für ein Leben!
Haussener: Ja, ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens. Das ist mir bewusst, und ich bin sehr dankbar dafür. Meinen beruflichen Erfolg habe ich mir indes hart erarbeitet.

MEYER'S: Viele Menschen können nicht dankbar sein. Woher haben Sie diese Fähigkeit?
Haussener: Meine Mutter war eine wunderbare Frau und eine herzhafte Christin ohne Dogmen. Von ihr habe ich viele Werte übernommen, auch die Dankbarkeit und das Wissen, dass Glück keine Selbstverständlichkeit ist.

MEYER'S: Im Indochine haben Sie verschiedene Buddhas aufstellen lassen. Was bedeuten sie Ihnen?
Haussener: Buddhismus steht für mich für Toleranz.

MEYER'S: Meditieren Sie?
Haussener: Es gibt für mich Orte der Andacht, die mich berühren.So sitze ich etwa gerne in einer Kappelen und nehme deren Ruhe in mich auf.

MEYER'S: Wie entspannen Sie sich sonst noch?
Haussener: Mit Freunden bei einem guten Essen. Oder an meinen freien Wochenende in den Bergen bei Rougemont. Dort kann ich total abschalten.

Über ihre Arbeit
 
MEYER'S: Sie haben einst Modezeichnerin gelernt - mittlerweile arbeiten Sie erfolgreich als Innenarchitektin und besitzen drei Einrichtungsfirmen. Wie kam es zu dieser steilen Karriere?
Haussener: Sie entstand in Zusammenarbeit mit meinem Mann. Er ist Unternehmer und belieferte einst Arztpraxen und Spitäler mit medizinischen Geräten. Mit ihm zusammen habe ich angefangen, diese sonst so sterilen Räume freundlicher zu gestalten. Später kamen Restaurants, Büroräume und private Villen hinzu.

MEYER'S: Ihr Mann hat Ihnen auch den Weg für die Gestaltung des Indochine geebnet. Er ist dort im Verwaltungsrat. Ist das Ehepaar Haussener auch ein gutes Arbeitspaar?
Haussener: Wir ergänzen uns optimal. Er ist in jeder Hinsicht anders als ich. Aber jeder von uns weiss die Talente und Stärken des anderen zu schätzen. Als wir noch jünger waren, hatten wir immer wieder heftige Auseinandersetzungen um unterschiedliche Standpunkte. Im Laufe der Jahre haben wir uns immer besser zusammengerauft. Mittlerweile sind wir ein gut eingespieltes, harmonisches Team.

MEYER'S: Die Verantwortlichen des Indochines investierten vier Millionen Franken in den Umbau. Hatten Sie freie Hand in Ihrer Gestaltung?
Haussener: Ja, das habe ich mir ausbedungen - ansonsten könnte ich nicht kreativ arbeiten. Der Verwaltungsreat hat mir tatsächlich sehr, sehr viel Vertrauen entgegengebracht.

MEYER'S: Dafür ist Ihnen innert knapp drei Monaten auch ein perfektes, asiatisches Styling gelungen. Was war Ihr persönlicher Preis dafür?
Haussener: Die Zeit war sehr knapp. Ich habe so viel gearbeitet, dass ich an meine Grenzen kam. Oft bin ich nachts aufgestanden und habe an den Plänen weitergezeichnet. Tags bin ich produktiv, nachts kreativ. Zudem bin ich Perfektionistin und hänge sehr an Details. Alles muss stimmen. Ich arbeite mit totaler Leidenschaft.

MEYER'S: Waren Sie auch so eine leidenschaftliche Mutter?
Haussener: Ich glaube schon, denn was ich tue alles mit Herz und Seele. Als Philippe auf die Welt kam, hörte ich einige Jahre mit der Arbeit auf und war ganz für die Famile da.

MEYER'S: Was war Ihr Erziehungsgrundsatz?
Haussener: Ich klärte ihn immer über die Folgen seines Verhaltens auf, lehrte ihn, freie, selbstständige Entscheidungen zu fällen und für diese dann auch die Konsequenzen zu tragen. Wir haben oft und gerne lange Gespräche miteinander geführt.

Über ihre Vorlieben
 
MEYER'S: Haben Sie gerne Besuch?
Haussener: Ja, ich bin sehr gesellig - ausser wenn ich an einem sehr kräfteraubenden Projekt arbeite. Ansonsten aber mache ich gerne Einladungen, organisiere sogar Reisen für meine Freunde, zum Beispiel einen gemeinsamen Opernabend in Verona, ein Velo-Weekend, ein Autoralley...

MEYER'S: ...eine Wanderung?
Haussener: Ich liebe das Wandern. In Rougemont ziehe ich oft und gerne ungeschminkt und mit robuster Kleidung los.

MEYER'S: Hier in Zürich wirken Sie sehr gepflegt. Welche Kosmetik benutzen sie?
Haussener: Ich wähle die Produkte nach Lust und Laune, das ist doch eh "Hans wie Heiri....". Manchmal lege ich eine sündhaft teure Gesichtsmaske auf, dann denke ich wieder, dass es eine Nivea auch tut.

MEYER'S: Welches Parfum tragen Sie?
Haussener: Ich bin seit Jahren "Envy" von Cucci treu. Im Sommer nehme ich auch gelegentlich "J'adore" von Dior. Abends trage ich gerne "Au de Soir" von Sisley.

MEYER'S: Wie stylen Sie sich für einen speziellen Abend?
Haussener: Eher elegant, manchmal auch ein bisschen sexy.

MEYER'S: Würden Sie sich je liften lassen?
Haussener: Tja... Das ist in meinem Altern und unter Freundinnen schon ein Thema. Ich kenne beruflich einen sehr guten Schönheits-Chirurgen, ein wahrer Ästhet. Ihm würde ich wohl vertrauen, aber vorerst habe ich noch keinen Mut für eine Operation. Zudem muss ein Gesicht nicht perfekt sein. Es kommt vielmehr auf die Ausstrahlung an.


Shopping- und Restaurant-Guide
 
 
Evelyne Haussener Tipps:
 
Restaurant La Rocca: "Klein, intim, hervorragende Küche", Limmatstr. 273, 8005 Zürich, Tel. 01/271 02 77.
Restaurant Sala of Tokyo: "Japanisch top", Limmatstr. 29, 8005 Zürich, Tel. 01/271 52 90
Landgasthof Hoffnung: "Die Küche ist so gut, dass ich manchmal von Zürich aus extra für ein z'Mittag hinfahre", Schaffhauserstr. 266 Erzenholz TG, Tel. 052/720 77 22
Café du Cerf: "Eines der besten Fondue der Welt", 1838 Rougemont VD, Tel. 026 925 81 23
Restaurant Chesery: "Exzellent, manche Zürcher reisen allein wegen der Kaviar-Eier an", Lauenenstrasse, 3780 Gstaad BE, Tel. 033/744 24 51
Restaurant à la table d'Edmont: "Traumhaftes Essen, Künstleratmosphäre in mittelalterlichem Dorf", 7, avenue d'Eglise, 06250 Mougins Village, Frankreich, 0033 4 92/92 15 31
Club Indochine: "Hier verarbrede ich mich gerne zum Apéro", Limmatstr. 275, 8005 Zürich, Tel. 01/448 11 11
Galerie Ehrensperger: "Ihm als Kunstkenner vertraue ich blind", Rämistr. 38, 8001 Zürich, Tel. 01/251 01 24
Couture Erna Weibel: "Gibt meinen Eigenentwürfen den modischen Touch, wunderbare Stoffe", Weinbergstr. 118, 8006 Zürich, Tel. 01/363 95 00
Coiffeur Marco Reolon: "Er schneidet so gut, dass ich nur selten zu ihm muss...", Sihlstr. 24, 8001 Zürich, Tel. 01/221 31 55