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Astrologie-Pioniere Bruno und Louise Huber

Gespräch über die Ganzheitlichkeit des Menschen.

Für die Schweizer SonntagsZeitung, 1994

Herr und Frau Huber, in Fachkreisen gelten Sie als international bedeutende Astrologen. Warum werden Sie in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen?
Bruno Huber: Unsere Methodik, die astrologische Psychologie, ist komplex und eigentlich so umfangreich wie die Psychologie. Damit kann man nicht viel Reklame machen.

Was ist denn Ihr Markenzeichen?
Louise Huber: Die Ganzheitlichkeit. Wir nähern uns dem ganzen Wesen des Menschen. Unsere Arbeit basiert auf tiefenpsychologischem und esoterischem Denken. Wir wollen Probleme nicht bloss benennen, sondern auch deren Ursachen ergründen.

Wer sich ein Horoskop machen lässt, will doch meist bloss wissen, ob er glücklich wird und ob sein Salär steigt . . .
Louise Huber: Immer mehr Klienten beschäftigen sich mit tiefen Lebensfragen. Andere sind zunehmend an psychologischen Zusammenhängen interessiert. Und dann gibt es selbstverständlich auch die Menschen, die einfach wissen wollen, ob sie Glück in der Liebe haben oder im Lotto gewinnen.
Bruno Huber: Zu uns kommen vorwiegend Kunden, die verstehen wollen, warum sich ihr Leben in eine bestimmte Richtung bewegt. Der Entwicklungsgedanke ist die Basis unserer Arbeit.

Kommen wegen der Rezession mehr Kunden zu Ihnen?
Louise Huber: Ja, zunehmend lassen sich bei uns Menschen beraten, die moralische Unterstützung suchen. Jugendliche, die beispielsweise keine Lehrstelle finden, wollen in unserer astrologischen Berufsberatung erfahren, wo ihr späteres Berufsziel liegt. Wir bieten eine dreijährige Berufsausbildung an. Immer mehr Menschen interessieren sich für unsere Schule, weil sie einen Beruf suchen, der sie erfüllt und der zur sinnvollen Berufung werden kann.

Was sagen Sie Ihren Kunden über die Zukunft?
Louise Huber: Prophezeiungen sind das gefährlichste Instrument der Astrologie. Seit 26 Jahren weigern wir uns, prognostische Aussagen zu machen. Denn dabei besteht die Gefahr, dass der Mensch sich so verhält, dass sie tatsächlich eintreffen.

Über 700 000 Schweizer befassen sich mit Astrologie, es gibt hierzulande über 2000 Berufsastrologen, und Ihr Institut hat schon 8000 Schüler ausgebildet. Die Schweiz ist eine Hochburg der Astrologie.
Bruno Huber: Insbesondere rund um Zürich haben wir eine Konzentration wie nirgends sonst auf der Welt. Ebenso gibt es eine hohe Dichte an Psychologen. Historisch gesehen hat das Tradition. Schon früher lebten in Zürich bedeutende Psychologen, etwa Bleuler oder Jung. Astrologisch steht die Schweiz unter dem Zeichen der Jungfrau. Als Typus ist die Jungfrau sehr am Menschen interessiert. Sie will ihn akribisch untersuchen.

Immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus; die Astrologie hingegen boomt. Ist sie Ersatzreligion?
Bruno Huber: Teilweise. Das ist unangenehm. Dort, wo die Astrologie Religionsersatz ist, verkommt sie zum Aberglauben.

Ist Astrologie eine Glaubensfrage?
Bruno Huber: Astrologie ist eine Wissensfrage. Sie basiert auf Erfahrungen.

Wissenschaftlich ist sie nicht bewiesen.
Bruno Huber: Die Psychologie kann auch keine Beweise erbringen. Das heisst noch lange nicht, dass sie nicht stimmt.

Wissenschaftler legten 150 Personen deren Horoskope vor. 94 Prozent davon identifizierten sich damit. Es war indes immer dasselbe Horoskop eines Massenmörders. Wie stellen Sie sich zu dieser Tatsache?
Bruno Huber: Diese sogenannten Tests sind Betrugsversuche. Die Kunden werden an der Nase herumgeführt . . .

. . . trotzdem aber zeigen diese Untersuchungen, dass die Menschen dazu neigen, sich mit vagen Aussagen zu identifizieren. Bruno Huber: Ja, das geschieht, wenn man den Klienten etwas suggeriert. Diesen Fehler machen viele Astrologen. So machen sie ihre Kunden zu Jasagern. Und diese wiederum werden dann als Argument gegen die Astrologie ins Feld geführt.

Wie begegnen Sie dem?
Louise Huber: Wenn man um Hilfe fragt, dann sucht man Rat und ist somit einer gewissen Suggestivkraft unterworfen. Will man sich indes erkennen und weiterentwickeln, dann arbeitet man an sich selbst. Dadurch ist man autonom und macht sich nicht von einem Therapeuten abhängig. Das einzige vertretbare Ziel des astrologisch-psychologischen Beraters ist, die Freiheit des Klienten zu vergrössern. Dies ist der Leitgedanke unserer Schule.

Sie kritisieren Populär-Astrologie, Prognosen und Suggestionen. Ist Ihre astrologische Ausrichtung die einzig richtige?
Louise Huber: Nein, aber wir kämpfen für gewisse Berufsstandards. Deshalb haben wir den Berufsverband API-International gegründet. Schliesslich bildet die heutige Astrologie einen neuen Berufsstand. Das verlangt nach Definitionen.

Was halten Sie von astrologischen Computeranalysen, wie sie Ihr ehemaliger Schüler Claude Weiss mit seiner bekannten Firma Astrodata durchführt?
Bruno Huber: Diese sind zumindest besser als die Heftli-Horoskope. Der Computer kann indes keine Verbindungen machen, sondern nur Punkt für Punkt analysieren. Dadurch entstehen Widersprüche. Eine ganzheitliche Analyse kann nur der Astrologe, der Mensch, erstellen.
Louise Huber: Es lässt sich nicht verhindern, dass es Computer-Analysen gibt. Wir haben uns damit ausgesöhnt, weil wir denken, dass diese Horoskope den Kunden eine Einstiegshilfe für ernsthaftere Studien sein können.

Gehen Sie davon aus, dass jedes Schicksal schon bei der Geburt vorbestimmt ist?
Bruno Huber: Vorbestimmt, also angeboren, ist der Grundcharakter des Menschen, seine Struktur, die Massstäbe, die er anwendet. Das ist die Ebene seiner psychischen Realität. Es gibt aber noch die Ebene der konkreten Erlebnisse. Das ist das Formale, das der Mensch sehr wohl beeinflussen kann. Dort liegt seine Freiheit. Je besser er seine innere psychische Struktur kennt, desto besser kann er seine äusseren Handlungen führen. Ein Horoskop zeigt Persönlichkeitsstrukturen auf. Es zeigt also nicht, wieviel Geld man verdient, es weist höchstens darauf hin, dass man darauf versessen ist, viel zu verdienen.

Wie stellen Sie sich zu prominenten Astrologen wie etwa Elizabeth Teissier, die in der Öffentlichkeit immer wieder mit ziemlich banalen Aussagen auftreten?
Louise Huber: 1981, als wir den ersten Weltkongress organisiert hatten, war Frau Teissier noch eingeladen. Sie hat aber bloss Prognosen gemacht und nicht begriffen, worum es uns ging. Deshalb haben wir sie nie mehr eingeladen . . .
. . . aber dieses Jahr tritt sie wieder als Referentin auf. Beugen Sie sich dem Druck nach Popularität?
Bruno Huber: Ja, dieses Mal konnten wir nicht nein sagen. Aber sie wird nur am Publikumsabend sprechen. Mit dem Fachkongress hat sie nichts zu tun.

Das Motto des ganzen Kongresses ist die Jahrtausendwende. Was denken Sie dazu?
Louise Huber: Die Menschen wollen unabhängiger, intelligenter und freier werden. Dadurch werden sie individueller. Es ist eine Bewusstseinserweiterung im Gange.

Derzeit vollzieht sich der Wechsel ins Wassermannzeitalter. Wie wirkt er sich aus?
Bruno Huber: Das ist ein sehr langsamer Übergang. Bereits sind aber markante Elemente des Wassermannes aktiv, etwa die ganze Supertechnologie. Denn der Wassermann will die Welt in eine absolut funktionierende, durchorganisierte Struktur bringen. Als Qualität eines Zeitalters will er eine vereinte Menschheit.
Soziologen klagen aber über die zunehmende Vereinsamung der Menschen. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird grösser. Das scheint nicht sehr wassermännisch zu sein . . .
Louise Huber: Das sind Übergangserscheinungen, die sich wieder auspendeln werden. Sie haben einerseits mit dem Wassermann-typischen Ringen nach individueller oder Gruppen-Autonomie zu tun, zum andern aber mit dem Zerfall der alten ethisch-moralischen Leitsätze an der Schwelle zum Informationszeitalter, das seine Ethik erst noch aufbauen muss.
Glauben Sie, dass die Sterne uns schicksalshaft prägen, oder muss man sie als esoterisch-analoge Symbole verstehen?
Louise Huber: Die "Einflusstheorie", bei der man glaubt, Planeten liessen uns wie Marionetten tanzen, ist eine Richtung der Astrologie. Diese arbeitet auch mit Prognosen. Die "Entsprechungslehre" hingegen ist die andere Richtung, die psychologisch und esoterisch arbeitet, mit Symbolen und Analogien. Sie richtet sich nach dem hermetischen Grundsatz "wie Unten so Oben" und "wie Aussen so Innen". Dem schliessen wir uns an.

Sie haben schon Zehntausende von Horoskopen gemacht. Wird man dessen nie überdrüssig?
Louise Huber: Nie! Es macht Spass, weil man viel positives Feedback erhält.
Bruno Huber: Wir haben laufend mit tollen Charakteren zu tun. Das ist eine grosse Abenteuergeschichte. Jeder Charakter ist eine kleine Welt. Wir haben einen Traumberuf.

 
Info-Box: Bruno und Louise Huber, 66 bzw. 72 Jahre alt, sind international anerkannte Astrologen. Bruno Huber studierte zuerst Astronomie und Physik, später Psychologie und Astrologie. Louise Huber studierte Geisteswissenschaften, Psychologie und Astrologie. Gemeinsam entwickelten sie die Methodik der astrologischen Psychologie (Huber-Methode). 1964 gründeten sie das Astrologisch-Psychologische Institut API in Adliswil ZH, das mittlerweile in mehreren europäischen Ländern Zweigschulen führt.