Leseproben und Projektbeschriebe

Kuoni – Schiffreisen-Katalog – Kapitän

Er ist Experte für Extremkreuzfahrten, hat die anspruchsvollsten Packeis-Passagen bewältigt und die Welt 39 mal umfahren. Nun berät der deutsche Kapitän Heinz Aye, 68, andere Kapitäne bei ihren Fahrten durch die Eisregionen dieser Welt.

Kuoni Schiffsreisen-Katalog  |  Oktober 2004  |   3 Minuten

Was muss ein Kapitän können? «Gut tanzen» pflegte Heinz Aye jeweils mit einem Schmunzeln zu antworten, wenn ihn weibliche Passagiere nach seinen Qualifikationen befragten. Kapitän Aye kann tanzen, das versteht sich von selbst für einen, der seit 34 Jahren auf Kreuzfahrtschiffen zu Hause ist. Heinz Aye kann indes noch weit mehr: Er ist erfahrener Seemann, Hotelmanager, Expeditionsleiter und Psychologe in einem. Denn ein Kapitän gebietet über den gesamten Betrieb eines Schiffes: von der Wäscherei über die Küche bis hin zur Kommandobrücke. Er ist gegenüber der Rederei für ein Luxusschiff verantwortlich, das Millionen von Franken wert ist, und er ist für die Sicherheit und für eine gute Atmosphäre an Bord zuständig.

Will man ein glückliches Schiff, so braucht man eine «happy crew». Deshalb hat sich Kapitän Aye jeweils täglich zu «einer Streicheltour durch den ganzen Dampfer» aufgemacht. Hier ein Wort an die Matrosen, dort ein Lob an die Zimmermädchen, alle Angestellten sollten stets wissen, dass ihr Chef präsent ist. «Auf einem Kreuzschiff arbeiten Menschen aus vielen Nationen», erklärt Aye «sie sind oft während Monaten von ihren Familien getrennt, haben vielleicht Heimweh». Da tue es gut, wenn sich der Kapitän beim Maschinisten nach dessen schwangeren Ehefrau erkundige oder wenn er an der Trauer der Barmaid Anteil nimmt, die das Hinscheiden ihres Vaters zu verkraften hat.

Genauso kümmert sich Kapitän Aye um die Passagiere, besucht sie regelmässig im Frühstücksraum, beteiligt sich mit ihnen am Barbecue, setzt sich gerne für ein Weilchen zu ihnen an die Bar – «und wenn mir der Sound gefällt, dann fordere ich eine Dame zum Tanz auf». Seereisen seien eine besondere Form des Glücks, sagt er, denn nach dem Sternenhimmel sei das Grösste und Schönste das Meer.

So könnte man meinen, Kapitän Aye hätte es gereicht, sein Leben auf klassischen Kreuzfahrtschiffen zu verbringen, es zog ihn mit seinen Passagierschiffen aber stets zu den Extremen, zu den schwierigsten Passagen der Eisregionen: zu den anspruchsvollen Nordwestpassagen, den Spitzbergen, nach Grönland und zur Antarktis. Der Mann, der «Seewasser im Blut» hat, ist dem Südpol mit seinen faszinierenden Eisbergen geradezu verfallen, er trage einen «unheilbaren Antarktis-Bazillus» in sich. 101 Mal hat er diesen Erdteil bisher besucht. Und er will noch so oft wie möglich dahin zurückkehren.

Seit drei Jahren ist Heinz Aye als Kapitän offiziell pensioniert – was längst nicht heisst, dass er die Schifffahrt verlassen hat. Seit seinem 16. Lebensjahr habe er stündlich neue Bilder an sich vorbeiziehen sehen: «Wasser, Küste, Wetterstimmungen, Eisberge…» Da könne man nicht plötzlich inne halten und in den Ruhestand treten, schliesslich gilt für ihn: «einmal Seemann – immer Seemann». Deshalb sei er im «Unruhezustand» und betätigt sich neuerdings als «Ice-Master». Fragt man ihn, was dieser tue, so pflegt er zu sagen, er schnitze die fantastischen Eisfiguren, die es jeweils beim kalten Buffet zu bewundern gäbe. Mag sein… Weit wichtiger aber ist, dass er als «Ice-Master» andere Kapitäne bei ihren Fahrten durchs Packeis berät und sie mit ihren Passagieren kompetent an jedem Eisberg vorbei lotst.

Kapitäns Ayes höchstpersönliche Tipps gegen Seekrankheit
 

  • Beste Prävention: Nicht daran denken, dass man seekrank werden könnte!
  • Egal welche medizinischen Präventionsmittel verwendet werden: unbedingt daran glauben, dass sie wirksam sind
  • Pillen und Tabletten gegen Seekrankheit machen müde – stattdessen besser Pflaster hinters Ohr kleben und das bereits einen Tag vor Antritt der Seereise.
  • Ebenso wirksam: Stoffbänder fürs Handgelenk, sogenannte «seasickness-bands»
  • Beruhigt den Magen: ein warmes Glas Bier
  • Auch hilfreich: ein Schnaps oder ein guter Cognac – aber nur einer!
  • Auf keinen Fall auf dem Bett liegen und die Vorhänge anstarren.
  • Seereise auf einem modernen Kreuzfahrtschiff buchen: Die neuen Schiffe haben alle Stabilisatoren, welche die Seegangsbewegung um achtzig Prozent reduzieren – da kann man gar nicht mehr seekrank werden.

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