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BAG - Antiraucher-Magazin NIX - Olympiasieger Gian Simmen

Der Olympiasieger in der Halfpipe erzählt, wie hart es war, mit dem Rauchen aufzuhören, wie er an seiner Gesundheit hängt.

Für das Anti-Raucher-Magazin NIX (ein Jugendmagazin) des Bundesamtes für Gesundheitswesen Winter 02/03, im Auftrag der Papercommunication AG

NIX: Gian Simmen, entschuldigen Sie, dass wir Sie grad beim Abendessen stören. Was gibt’s denn zum Znacht?
 
Gian Simmen: Gschwellti, Käse, Salat und Obst, ganz nach Mammas Art. Ich esse gerne deftigen Food, Pasta und Pizza und so, aber ich achte darauf, dass ich mich ausgewogen ernähre.
 
NIX: Dass also auch mal ein Salat oder ein Gemüse auf den Tisch kommt?
 
Simmen: Richtig, ich könnte zwar locker einen Monat lang nur Spaghetti essen, weiss aber, dass eine gesunde Ernährung fürs körperliche Wohlbefinden sehr wichtig ist.
 
NIX: Was tun Sie ausserdem, um sich fit zu halten?
 
Simmen: Nebst dem Training im Schnee mache ich jeden Tag Liegestützen und Rumpfbeugen, das ist ja rasch erledigt. Beim Training ist klar, dass wir die Pipe jedes mal zu Fuss hochgehen. Wenn ich abends noch mag, fahre ich eine Runde Velo.
 
NIX: Ihr Freund, der Snowboarder, Marcel Hitz, leidet an Knochenkrebs. Haben Sie manchmal Angst davor, selbst schwer zu erkranken?
 
Simmen: Im Normalfall nicht. So schlimm es ist, aber Marcel ist nicht der einzige, der an Krebs leidet. Leider gibt es immer mehr Leute, die davvon befallen werden. Viele Menschen sind krank und das macht mir immer wieder bewusst, wie schön es ist, gesund zu sein.
 
NIX: Solange man fit ist, denkt man oft nicht daran, dass es auch anders sein könnte.
 
Simmen: Ja, es ist traurig, dass viele Leute ihre Gesundheit gar nicht zu schätzen wissen.
 
NIX: Als Sie als 12jähriger anfingen, Zigaretten zu rauchen, haben Sie auch nicht an ihre Gesundheit gedacht.
 
Simmen: Ich fing damals an, weil ich lässig wirken wollte. Am Anfang fand ich die Zigaretten gruusig, aber ich rauchte dennoch weiter. Das Rauchen war ja auch spannend, weil’s verboten war. Und irgendwann schmeckten mir die Zigaretten auch. Ich wollte sie zum Kaffee oder zum Bier nicht mehr missen.
 
NIX: Dennoch haben Sie als 18-jähriger das Rauchen aufgegeben.
 
Simmen: Das entstand aus einer Furzidee an Neujahr. Jeder nahm sich was vor und ich sagte dann halt, ich würde mit dem Rauchen aufhören. Alle lachten mich aus. Es traute mir keiner zu, dass ich es schaffen würde.
 
NIX: War’s schwierig aufzuhören?
 
Simmen: Ja, es war knallhart. Besonders am Anfang, als mir die Kollegen weiterhin Zigaretten anboten. Aber ich blieb strikt. Als Ex-Raucher weiss man, wie eine Zigarette schmeckt und man hat in den typischen Rauchersituationen immer wieder mal Lust darauf. Es wäre einfacher gewesen, ich hätte gar nie erst damit angefangen und den Geschmack kennen gelernt.
 
NIX: Heute stört Sie der Rauch in einer Bar und die Tatsache, dass man nach dem Ausgang stinkig-rauchige Kleider hat. Finden Sie es besser in Amerika, wo in den Bars und Restaurants Rauchverbot besteht?
 
Simmen: Ja, das finde ich gut. Ich weiss hingegen nicht, ob solche Verbote in Europa durchsetzbar wären.
 
NIX: Würden Sie Rauchverbote in der Schweiz denn unterstützen?
 
Simmen: Man würde sich mit Verboten wohl viele Feinde machen, vor allem in der Tabakindustrie. Aber ich denke, wenn die Bars und Clubs rauchfrei wären, würde dies den Rauchern helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Zudem müssten wir Nichtraucher nicht ständig passiv mitrauchen.
 
NIX: Sollte man Ihrer Meinung nach auch den Haschischkonsum in der Schweiz einschränken? In der Snowboardszene wird ja sehr viel gekifft.
 
Simmen: Marihuana zu rauchen, finde ich nicht so schlecht wie Zigaretten. Vom Kiffen bekommt man wenigstens einen Rausch, von der Zigarette hat man gar nichts. Und Gras kann man gut auch ohne den schädlichen Tabak rauchen.
 
NIX: Sie leben zwar sehr gesund, gehen im Sport aber ein hohes Verletzungsrisiko ein.
 
Simmen: Ich bin mir dem Risiko bewusst und verdränge es zugleich. Es ist aber zu sagen, dass ich bei der Arbeit sehr konzentriert bin und so versuche, die Verletzungsgefahr gering zu halten. Ich habe ja auch nicht auf einem Prolevel angefangen, sondern mich hochgearbeitet.
 
NIX: Läuft's Ihnen auch kalt den Rücken runter, wenn Sie die riskanten Jumps der Anfänger sehen?
 
Simmen: Bei den jungen Fahrern wird’s einem manchmal schon mulmig, wenn sie blindlings Sprünge wagen, die über ihrem Level sind. Denen würde ich am liebsten sagen, he hallo Jungs, versucht nicht die Snowboard-Videos zu imitieren, die Fahrer in den Filmen haben über zehn Jahre Erfahrung und in einem einzigen Video stecken die Aufnahmen von fast einem Jahr. Es werden darin nur die allerbesten Jumps zusammengeschnitten.
 
NIX: Arbeiten Sie gerne für Videos?
 
Simmen: Ja, sehr gerne, es ist aber auch ein knallharter Job.
 
 
 

Bio: Der Bündner Gian Simmen, 25, wurde 1998 überraschend Olympia-Sieger in der Halfpipe. Seither gehört er zu den weltbesten Snowboardern und hat sich zu einem Top-Profisportler entwickelt. Der ehemalige Party-Tiger geht zwar immer noch gerne aus, achtet aber viel mehr auf seine Gesundheit und hat das Rauchen aufgegeben. Gian Simmen tritt Anfang Dezember am Season Openig in Laax zu einem nächsten Wettkampf an.