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BAG - Antiraucher-Magazin NIX - Olympiasieger Ammann

Simon Ammann geht gerne aus, liebt Kino und Tanzen – aber bitte ohne Zigarettenrauch. Verrauchte Lokale findet er eklig und Rauchen hat ihn nie interessiert. Kiffen schon gar nicht. Der Doppel-Olympiasieger im Skispringen erzählt im Interview mit NIX, wo er sich seine Höhenflüge herholt.

Für das Anti-Raucher-Magazin NIX (ein Jugendmagazin) des Bundesamtes für Gesundheitswesen Winter 02/03, im Auftrag der Papercommunication AG

NIX: Grüezi Herr Ammann, es ist Freitagabend. Sie wollen sicherlich bald in den Ausgang gehen. Dürfen wir Ihnen noch einige Fragen stellen?
 
Simon Ammann: Ja, wenn es schnell geht. Ich habe seit langem wieder mal ein freies Wochenende vor mir und freue mich sehr darauf.

NIX: Was machen Sie denn am liebsten, wenn Sie frei haben?

Ammann: Ich treffe Freunde und bin froh, wenn ich mit ihnen auch mal über was anderes als Skispringen reden kann. Ich gehe auch gerne ins Kino und so oft wie möglich tanzen. Bloss habe ich dafür leider wenig Zeit. Die Vorbereitungen auf den zweiten Teil meiner Matura  und das Spring-Training beanspruchen mich voll. Oft trainieren wir auch am Wochenende.

NIX: Müssen Sie als Skispringer körperlich denn so fit sein wie andere Spitzensportler? Das Fliegen kann doch keine so grosse Anstrengung sein.

Ammann: Aber sicher doch. Stellen Sie sich mal vor: Kürzlich waren wir im Trainingslager in Finnland. Es war 9 Grad minus und wir trainieren zwei mal täglich. Ich trage zwar einen fünf Millimeter dicken Trainingsanzug, dennoch ist man nach so einem Training völlig durchgefroren. Das ist ein grosser Stress für den Körper.

NIX: Wie halten Sie sich fit?

Ammann: Mit Konditions- und Krafttraining. Ich muss die Leistungsfähigkeit meiner Muskulatur konstant verbessern, damit ich beim Absprung möglichst stabil bin.

NIX: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung?

Ammann: Ich steuere einen grossen Teil meiner Fitness mit der Ernährung, esse darum sehr bewusst und ausgewogen, also viel frisches Obst und Gemüse.

NIX: Keine Pizza und Hamburger?

Ammann: Doch! Aller Gesundheit zum Trotz. Zwischendurch habe ich einfach Lust darauf, und man muss ja auch Dinge fürs Herz und die gute Laune tun, zum Beispiel Schoggi essen oder ein Glas Wein trinken.

NIX: Können Sie auch mal faulenzen?

Ammann: Unbedingt! Erholung ist genauso wichtig wie Training. Zwischendurch muss man einfach abschalten.

NIX: Rauchen Sie?

Ammann: Nein. Ich habe schon früh mit Skispringen angefangen und fand immer, dass Sport und Rauchen nicht zusammen passen. Es wäre mir zudem zu blöd, mein Geld für Zigaretten auszugeben. Da lade ich lieber Freunde zu einem Drink ein, als dass ich mein Geld mit Rauchen verschwende.

NIX: Gibt es andere Skispringer, die rauchen?

Ammann: Etliche Kollegen in der Nachwuchsmannschaft haben geraucht. Ich denke aber, wenn jemand raucht, dann fehlt es ihm an der Ernsthaftigkeit, eine konsequente Einstellung zum Spitzensport aufzubauen. So haben es letztlich viele Raucher auch nicht geschafft, sich sportlich weiter zu entwickeln.

NIX: Oft fangen Jugendliche an zu rauchen, weil sie in der Clique dazu verführt werden. Haben Ihre Kollegen Sie nie dazu angemacht?

Ammann: Nein, keiner kam blöd. Meine Meinung wurde akzeptiert. Ich respektiere es auch, wenn jemand raucht. Jeder muss selber wissen, was er tut.

NIX: Stört es Sie nicht, wenn ein Lokal völlig verraucht ist?

Ammann: Doch, das finde ich unangenehm. Es ist eklig, wenn alles so stinkt.

NIX: Würden Sie Rauchverbote befürworten?

Ammann: Das finde ich heikel. Gerade in der Schweiz scheint es mir wichtig, dass jeder seinen freien Willen behalten kann. Bloss ist es leider so, dass einem in unserer Gesellschaft auch vieles aufgedrängt wird.

NIX: Was halten Sie vom Kiffen?

Ammann: Das hatte für mich nie einen Reiz. Klar, dass auch ich mit diesem Thema in Kontakt gekommen bin und wir es ihm Team auch diskutiert haben, aber mich interessiert Kiffen überhaupt nicht.

NIX: Simon Ammann ist also ein ganz vernunftbetonter Mensch ohne Rauschzustände?

Ammann: Ich finde meinen „Kick“ im Fliegen. Es macht unglaublich Spass, wenn der Körper fähig ist, sich selber so zu beglücken. Da muss ich ehrlich sagen: das Fliegen ist für mich eine gewisse Sucht.

Bio: Der Toggenburger Skispringer Simon Ammann, 21,  sprang sich im Februar 2002 an den Olympischen Spielen in Salt Lake City in sensationellen Flügen an die Weltspitze: Er holte Doppel-Gold und wird seither als allseits geliebter „Gold-Simi“ gefeiert.  Seine Sportlerkarriere und seine schulischen Leistungen unterlagen bis vor einem Jahr grossen Schwankungen, die er mittlerweile überwunden zu haben scheint. Diesen Herbst hat Simi den ersten Teil seiner Matura bestanden.