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Reportagen

Kleiner Guide für die Schickeria

Italien/St. Margerita Ligure: Das elegante, norditalienische Küstenstädtchen Santa Margerita Ligurie ist der ideale Ausgangsort für Abstecher ins schicke Portofino.

Für die Schweizer Frauenzeitschrift Mayers Modeblatt, 2002 (inzwischen wurde das Magazin eingestellt)

Sie könnte dreissig sein, so wie sie ihren Pelzmantel mit femininer Selbstverständlichkeit trägt, wie sie mit den Kellnern schäkert, mit den Augen zwinkert, genüsslich raucht. Dezentes Make-up, frisch frisierte Haare, sorgfältig manikürte Hände. Vor ihr ein Capuccino und ein Glas Likör, schon morgens um elf. Die Signora ist 78 und der Beweis, dass in Italien Schönheit keine Frage des Alters ist. „Schätzchen komm“, befielt sie, „setzt dich zu mir, erzähl: gefällt es dir auch so gut in Santa Margherita...?“ Ja, das Städtchen hat alles, was man an Italien liebt: grossartige Parks, leckere Fischrestaurants, elegante Boutiquen und überdies auch einen kleinen Strand. Bloss heute, so klagen wir, an einem Tag im Februar, nieselt es trübe. So sei es aber selten, tröstet Signora Galli, normalerweise scheine hier fast immer die Sonne. Insbesondere im Frühling, vor der sommerlichen Touristenflut, ist die Gegend verlockend: Alles blüht, die Mimosen und Kamelien, die vielen mediterranen Blumenarten. Im Frühling ist es besonders schön, auf den Panoramawegen der Küste entlang zu wandern. Sie führen über die Berge und Hügel, die sich hier direkt an der Küste steil emporheben.

Signora Galli lebt in Mailand, wohnt indes seit über zwanzig Jahren mehrere Monate im Jahr in Santa Margherita. Wie viele Mailänder und Genueser besitzt sie hier eine Wohnung und geniesst das mondäne Leben eines Ferienortes, der schon vor einem Jahrhundert die wohlhabenden Nordeuropäer angezogen hat: Das milde Winterklima, die frische Meerluft, die sauberen Strände, die üppige Vegetation. Im ganzen Golf von Tigullien – er reicht von Jetset-Treffpunkt Portofino bis hin zum bescheidenen Moneglia  – leuchten daher unzählige Prachts-Palazzi in den grünen Küstenhängen.

Mitten darin liegt Santa Margherita mit seinem kleinen Hafen und einem Kieselstrand. Signora Galli trifft sich hier oft mit ihren Freundinnen, erst kürzlich, so erzählt sie, hätten sie im schönsten Hotel der Stadt einen achzigsten Geburtstag gefeiert: Im „Miramar“, dem weissen Palazzo aus der Jahrhundertwende. Sie hätten Brigde gespielt, gut gegessen... Ach, feiern lasse es sich ohnehin in der ganzen Gegend sehr gut, ergänzt sie. Natürlich auch im Nachbarort Portofino, ein kleiner Fischerhafen, der die internationale High Society seit fünf Jahrzehnten begeistert. Im Sommer liegen im Hafen die teuersten Jachten, tummeln sich auf der Piazzetta die schönsten Frauen. In Portofino habe ihre Tochter geheiratet, erzählt Signora Galli, es war „splendido, fantastico...!“ Vor lauter Begeisterten findet man in Portofino indes kaum noch Platz. Wird’s auf der Piazza zu eng, empfielt sich daher der schöne Spaziergang vorbei an der Kirche von S. Giorgio und am Burgschloss durch die Olivenhaine zum Leuchtturm. Von dort aus hat man eine fantastische Aussicht auf den ganzen Golf.

Zurück im Städtchen bestaunt man die Luxus-Auslagen von Hermes, Gucci  und Vuitton und speist im Fischlokal. Wer nebst Boutiquen aber auch Lust auf italienische Alltagsverführungen hat, findet diese in Santa Margherita. Dort – nur sechs Kilometer von Portofino entfernt - gibt es zudem die grössere und günstigere Auswahl an Hotels. In der Fussgängerzone reihen sich kleine Läden bunt gemischt aneinander: man sieht frische Panzotti, Ravioli, Trofie im einen Schaufenster; ganze Rohschinken, Salami und Mortadelle im nächsten. Daneben: Geschäfte mit getrockneten Steinpilzen, ligurischem Pesto, in Salz eingelegte Sardellen und übervollen Weinregalen. Dazwischen ein Barbiere, der alten Männern die Bärte einschäumt; ein Schuhgeschäft mit Prada-Stiefeln; eine Galerie mit lokalen Gemälden; ein Wäschespezialist mit schönster Spitze; und immer wieder Bars, an deren Tresen die Eiligen einen Café runterstürzen, die Müssiggänger an den Tischen die Zeitung lesen und Geniesserinnen wie Signora Galli ihre Plauderstündchen abhalten.

Nun aber muss die Signora noch Besorgungen machen. Wir sehen sie über den Markplatz an der Basilica vorbei schlendern, einige Mandarinen kaufen und in der Menge der Fussgänger verschwinden. Zum Abschluss steigen wir auf einen Hügel, der sich mitten in der Stadt erhebt. Dort steht die Villa Durazzo-Centurione, ein stattlicher Palazzo aus dem 17. Jahrhundert, der heute eine Gemäldesammlung mit Genueser Meistern beherbergt und der von einem gepflegten Park umgeben ist. Die Stille hier wird nur von Vogelgezwitscher begleitet. Man sitzt neben Marmorstaturen im Schatten uralter Zypressen und geniesst einen wunderbaren Ausblick auf den Golf von Tigullien. Die Villa Durazzo ist ein feiner, edler Ort, mit dieser alterslosen Schönheit, wie sie auch Signora Galli austrahlt - italienisch eben.

 

Guide (Stand 2002, aktualisierte Adressen siehe www.myliguria.com)

Anreise: Mit dem Zug ohne Umsteigen ab Zürich. Mit dem Auto via Gotthardtunnel, ab Milano auf der A7 nach Genua, danach die A12 Richtung Livorno, Ausfahrt Rapallo. Per Flug nach Genua, Flughafen Cristoforo Colombo in Sestri Ponente. Von dort weiter per Bus oder Bahn.

Über Nacht: Klein, bescheiden, sympathisch: Hotel Villa Anita, Tel. 0039 0185 286 543, Fax 0039 0185 283 005, e-mail hvanita@libero.it, DZ inkl. Frühstück 66-96 Euro.

Gross, edel, teuer: Grand Hotel Miramare: 16038 Santa Mergherita Ligure. Tel. 0039 0185 287 013, Fax 0039 0185 284 651,miramare@grandhotelmiramare.itwww.grandhotelmiramare.it, DZ inkl. Frühstück 227 – 310 Euro.

Brot & Spiele: Die Gegend um Santa Margherita ist ein bekanntes Wandergebiet, mit vielen spektakulären Küstenpfaden. Sehr zu empfehlen: Ein zweistündiger Marsch von Portofino zur mittelalterlichen Abtei von San Fruttuso. Unverzichtbar: Wanderungen oder ein Besuch per Bahn in die Cinque Terre, diese fünf Küstendörfer, die direkt über dem Meer an steilen Oliventerrassen kleben und von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden..

Infos: Touristenbüro S. Margherita Ligure, Via XXV Aprile, 2/B, 16038  S. Margherita Ligure, Tel. 0039 0185 28 74 85, Fax 0039 0185 28 30 34,www.apttigullio.liguria.it infoapt@apttigullio.liguria.it

 

 

Katzensprung

Region: Santa Margherita Ligure, Golf von Tigullien

Bewohner: 11’000

Bootsplätze: 350

Angebot: 50 Restaurants, 30 Hotels, zwölf Tanzlokale

Natur: Naturschutzparks bei Portofino und den Cinque Terre.

 

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