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Reportagen

Inselhüpfen bei Lipari

Italien/Lipari - Italien von seiner besten Seite - sinnlich, mediterran, gemächlich: das findet man auf den Liparischen Inseln.

Für das deutsche Frauen- und Wellness-Magazin "vital", Sommer 2000

Eben wars noch, wie in einem typisch italienischen Film: Im Hafen von Lipari drehten hemdsoffene Vespa-Jungs ihre Runden, vor Panarea räkelten sich Bikini-Römerinnen auf den Luxusjachten, in Vulcano suhlten sich kurenden Touristen im Meer oder Schlammbad - eben hatten wir diese Bilder noch vor Augen, denn alle Liparischen Inseln liegen nur wenige Fährmeilen voneinander entfernt. Und nun überwältigt uns diese Einsamheit: vor uns liegt Filicudi, ein Eiland wie aus der griechischen Mythologie, karg, würzig, geheimnisvoll. Eine Insel, die "grosse Magie und Vergangenheit" verspreche, so der hier lebende Schweizer Schriftsteller Roland Zoss. Im Moment würde es uns allerdings genügen, wenn wir ein Taxi fänden. Wir haben uns am falschen Ort absetzen lassen, schwitzen nun am Strand von Pecorini a Mare, kommen nicht mehr weg. Fragt sich bloss, ob man einen Flecken Frieden wie diesen überhaupt je wieder verlassen soll?

Die Bucht ist gesäumt von einem Meer, so türkis und klar, dass man in den Tiefen jede Muschel schimmern sieht. Am Strand ruhen Fischerboote aus bunt bemaltem Holz, unter den Schilfsonnendächern hocken eine Handvoll Glücklicher und am Steg stehen geduldige Buben und fischen. Bade-Touristen gibt's hier auch - etwa zwanzig, dreissig Stück. Und sonst? Zwei bescheidene Restaurants, eines gar mit Übernachtungsmöglichkeit, zwei Dutzend Flachdachhäuser, ein Tauchshop mit Bildern abenteuerlicher Wracks und sogar eine verschlafene Polizeistation mit freundlichem Carabinieri: "Aber sicher Signora, wir helfen Ihnen gerne..." und schon schickt er den Gehilfen, um uns eine Vespa zu besorgen. Ciao, Du schöne Bucht, wir haben noch zu tun, müssen Franco finden, den einzigen Einheimischen, der auf Filicudi geführte Wanderungen anbietet.

Und nichts könnte derzeit befreiender sein, als über die Insel zu kurven: warm wirbelt der Wind durchs Haar; Duftschwaden wilder Kräuter wetteifern miteinander; der Blick schweift über weissleuchtende, an die Hügel geschmiegte Würfeldörfer und vergessene Buchten. Franco finden wir hoch oben beim Dörfchen Valdichiesa, die Veranda seines Hauses offenbart einen erhebendem Panoramablick auf ein tiefblau ruhendes Meer, verfallenen Terrassenkulturen, die einst mit Orangen-, Mandeln-, Feigen- und Aprikosenbäumen kultiviert wurden, bis eine grosse Auswanderungswelle um 1945 viele verarmte Filicudianer nach Australien trieb. In der Ferne entdecken wir auch die Ruinen des bronzezeitlichen Dorfes Villaggio della Montagnola, 15 Hütten, die vor über 3000 Jahren erbaut wurden. Wenn Franco Cappadona und sein Freund, der Schrifsteller Roland Zoss, mit Touristen Filicudi bewandern, dann erzählen sie ihnen über deren Geschichte und Botanik. Einst lebte Filicudi von der Landwirtschaft, heute setzten viele der 250 Einwohner auf den Tourismus, der allerdings nur in sehr bescheidener Form vorhanden ist.

Und was wird die nächste Generation in dieser Einsamkeit anfangen? Nadia, Francos 17-jährige Tochter, schaut lächelnd in die Ferne. Ob sie hier bleiben und schon bald, wie alle jungen Mädchen, heiraten wird? "Nein, noch will ich keinen Freund, ich möchte noch ein wenig frei sein - und ich möchte mal nach Australien reisen", verrät sie. Vorletztes Jahr wurde sie zur Miss Filicudi gekürt, zum schönsten Mädchen der Insel, "wichtige Leute aus Rom" seien gekommen, hätten ihr eine Stelle als Fotomodell angeboten, aber - Nadia ist hin- und hergerissen, zwischen Heimatliebe, Nestwärme und Abenteuerlust - soll sie wirklich alles hier verlassen? Noch nie war sie im nahe gelegenenen Sizilien, geschweige denn in Rom oder im Ausland. Als sie aber für unser Foto posieren soll, macht sie das mit verblüffender Selbstverständlichkeit. Ihr Lieblingsstrand auf Filicudi ist "Punte" ein lauschiges Badeplätzchen mit grossen, runden, blankgeschliffenen Steinen, auf denen sich bloss rund 10 Sonnenanbeter tummeln. Mächtig schiebt sich die Brandung an den Strand, unter Wasser hört man die Steine knistern und murmeln. Sonst herrscht Ruhe.

So geruhsam wie Filicudi müssen bis vor kurzem wohl alle Liparischen Inseln ihr Dasein gefristet haben. Alicudi, die Einsame, sei noch zurückgezogener, erzählen uns die Einheimischen. Die restlichen Inseln der "sieben Schönheiten" wurden in den letzten Jahren von den Liebhabern der mediterranen Lebenskultur entdeckt: Panarea, die Elegante, entwickelte sich zur Ferieninsel der norditalienischen Schickeria; Stromboli, die Feurige, zum vulkanischen Abenteuerspektakel junger Trecker; Lipari, die Städtische, zur Ausgangsbasis der Inselhüpfer; Vulcano, die Gesunde, zur Kurstädte; und Salina, die Grüne, zum Pilgerort der Romantiker. Und hat man erst mal alle sieben Schwestern kennen gelernt, kann man sich nicht entscheiden, welche denn nun die schönste sei. Ist es wohl Salina, die vor einigen Jahren zum Kinostar emporstieg? Sie präsentiert sich als grüner Nationalpark. Ströme einstiger Lavagluten sind zu bizzaren Felsadern erstarrt, in den Ebenen liegen fruchtbare Felder mit den besten Kapern der Welt. Hier spielt der bekannte Liebesfilm "Il Postino", die Geschichte von Pablo Neruda im italienischen Exil, seiner Freundschaft mit einem Postmann und dessen Liebe zu einer einheimischen Schönheit. Am Strand von Pollara suchen wir nach den Spuren des Postinos.

Tatsächlich: In diesem Theater aus Meer, Gestein und alten Fischertraditionen will man nur eines: sich dem kurzen Schmerz vergänglichen Glücks ergeben, verliebt sein und die Zeit vergessen. Senkrechte Felswände, Reste eines versunkenen Kraters, bilden das Halbrund eines natürlichen Amphitheaters, das die Geräusche der Küste vielfach wiederholt: Die Schreie der Falken, das Raunen der Wellen. Ein steiler Pfad führt zum Postino-Haus, ein typisches Flachdachhaus am Hang, das wie die meisten Anwesen der Liparischen Inseln von blühenden Oleandern und Hibisken umrandet ist und von seiner schattigen Veranda den Blick aufs Meer gewährt. Seit dem Film wird es als Ferienhaus vermietet. "Der Film hat unserer Insel einen enormen Boom beschert", erzählt Mario Gullo, der in Salina die Pension "Mamma Santina" führt, "aber wir hatten Glück, denn wir wurden mit Qualitäts-Tourismus beschert". Daher gelang es Salina trotz der neuen Bekanntheit ihre Identität zu wahren.

Hier ist alles noch echt italienisch, man spricht kein Deutsch, wird nicht von Touristenschleppern belästigt, sondern taucht bloss ein, in ein sinnliches Sizilien mit allerorts freundlichen Menschen und mediterranen Genüssen, die sich zum Beispiel in Marios Küche offenbaren: Wir essen Spaghetti an einer Kräuter-Sauce - Marios verführerisches Geheimnis aus 14 harmonisch vereinten Kräutern seines Gartens - geniessen danach saftige, mit Kapern, Oliven und Thun gefüllte Tintenfische und degustieren zum Schluss den hausgemachten, eiskalt betörenden Zitruslikör. Wenn man bloss hier bleiben könnte! Doch wer die Liparischen Inseln kennenlernen will, muss auch dem Stromboli seine Gunst erweisen. Er ist der aktivste Vulkan Europas, bricht seit Jahrtausenden regelmässig aus. "Nur" 900 Meter hoch, ist er vermeintlich leicht zu bezwingen, der Aufstieg in der gleissenden Nachmittagssonne aber ist schweisstreibend und die schmalen Geröllpfade sind rutschig. Wohl ist es verboten, oben zu übernachten, aber da es nun mal ein betörendes Naturschauspiel zu erleben gilt, tun wir es rund 200 anderen Touristen gleich und breiten die Schlafsäcke aus.

An Schlaf ist indes nicht zu denken - zu mystisch ist dieses Himmelbett, von dem aus im nächtlichen Schwarz die bis zu vierzig Meter hohen, rot-orangen Lavaregen und die silbernen Bahnen der Sternschnuppen zu sehen sind. Zudem schnarchen, grollen und zischen die Krater so laut, dass man sich ehrfürchtig seiner Kleinheit entsinnt und über Mutter Erdes Wut und Glut philosophiert. Als die Morgendämmerung den sicheren Abstieg erlaubt, treffen wir Zazà, den bekanntesten Bergführer Strombolis, der seit 12 Jahren fast täglich den Berg besteigt. Heute hat er einen körperlich behinderten Jungen in seiner Gruppe, dessen glückliches Lachen nicht besser den Bergsteigerstolz jedes Stromboli-Besuchers zum Ausdruck bringen könnte. Unbeschwert kullern und purzeln wir nun die Rückseite des Vulkans hinab, wie ein schwarz eingefärbter, jungfräulicher Skihang erlaubt der feine Lavasand eine lustige Rutschpartie zum Strand hinunter. Dort, frühmorgens um acht, empfangt uns ein glasklares Meerbad sowie Zazàs Mitarbeiter mit frischem Cappuccino und gefüllten Croissants. Was für ein Leben! "Man geht nicht mit den Beinen auf den Stromboli", weiss Zazà, "man bezwingt ihn mit dem Geist" - wohl deshalb sind wir so von Glück durchflutet.

Ein Alsicafo, eines der vielen, schnellen Tragflächenboote, bringt uns nach Lipari, der grössten der sieben Inseln. Dort wollen wir zu den ältesten Thermalquellen der Welt, die Thermen von San Calogero, deren Grotte im 17. Jahrhundert vor Christus erbaut wurden. Doch nein, wir stehen vor verriegelten Toren, das Bad ist geschlossen. Zur Grotte stossen wir dennoch vor - schliesslich muss nicht jedes Gebot beachtet werden. Glasklares, 60 Grad heisses Heilwasser rinnt aus dem Berg, lindert wohltuend den Muskelkater. Von den Termen aus führt ein liebevoll ausgebauter Steinpfad zu den einsamen Buchten und Steilklippen Liparis, ein traumhafter Wanderweg, der insbesondere im Frühling betörend sein muss: Dann blühen gelb der Ginster, weiss die Mandelbäume, rot das Heidekraut; wilde Rosmarin-, Thymian- und Vanillesträucher verströmen ihre betörenden Düfte. Unterwegs pflücken wir Feigen und Brombeeren, so süss wie man sie nirgends in Deutschland bekommt. Von der Natur zurück in die Stadt: Lipari lockt nun mit einem Stadtbummel durch seine schmalen Gässchen mit deren Souvenirläden, und zu den offenen Restaurants, die sich um die Piazza im Hafen reihen. Scharen schöner Menschen - nicht zu viele, nicht zu wenige - vergnügen sich abends in der autofreien Altstadt.

Man stösst vorwiegend auf italienische Touristen. Oben, vom Burghof aus lässt ein älterer Herr seinen Blick anerkennend über die Dächer des Städtchens schweifen. "Sieht aus wie eine arabische Kasbah", erklärt er. Tatsächlich haben in der rund 7000-jährigen Geschichte Liparis nebst griechischen, römischen, normannischen und türkischen Herrschern auch arabische Machthaber ihren Einfluss geltend gemacht. Gemächlich schlendert der Herr nun zur Piazza, bestellt dort eine Granità, einen geeisten Erbeersaft. "Es ist Giorgo Armani", tuschelt jemand. Tatsächlich, der Modezar tut es vielen seiner norditalienischen Landsleute gleich, er verbringt seinen Urlaub in einer unverfälschten Gegend - denn auch für ihn gilt, was alle Besucher der Liparischen Inseln zu schätzen wissen: Geniessen und in Ruhe gelassen werden.

Liparische Inseln generell:

Anreise: Per Auto bis nach Neapel. Von dort Nachtautofähre nach Lipari. Per Flugzeug oder Bahn bis nach Neapel. Von dort diverse Schnellfähren zu allen Liparischen Inseln. Diverse weitere Anreisemöglichkeiten, z.B. über Reggio di Calabria, Sizilien, beim Fremdenverkehrsamt erfragen. Fremdenverkehrsamt der Liparischen Inseln (sprechen deutsch) Corso Vittorio Emanuele 202, 98055 Lipari ME Tel. 0039 90 988 00 95 Fax 0039 90 981 11 90.

Klima/Reisezeit: Frühjahr 13 - 19 Grad, Sommer 22 - 29 Grad, Herbst 19 - 24 Grad, Winter 10 - 16 Grad. Ab Mitte Mai lädt das Meer zum Baden ein, die Wassertemperaturen nehmen im Herbst nur langsam ab. Zum Wandern eignen sich am besten der Frühling und der Herbst. Im August ist es sehr heiss, die Preise sind am höchsten und alle Hotels ausgebucht.

Verkehrsverbindungen auf den Inseln: Die Liparischen Inseln erkundigt man am besten mit Vespas, die man überall für ca. DM 40 pro Tag mieten kann. Ebenso kann man Mietautos leihen. Auf den Inseln Lipari, Vulcano und Salina verkehren regelmässig Busse. Alle Inseln sind mit häufigen Fähr- und Tragflügelbooten verbunden. Die schnellen Tragflügelboote, die von Insel zu Insel ca. 20 bis 90 Minuten benötigen kosten zwischen DM 15 und 50. In den Häfen der Inseln bieten private Bootsunternehmen Tagestrips zu den schönsten Badeplätzen und Grotten an.

Restaurants: Das Angebot ist reichlich und vielfältig. Die (vorwiegend süditalienische) Küche reicht von einfachen Pizzerien bis zu hochstehenden Restaurants. Ein gewöhnliches Abendessen für zwei Personen mit Vor- und Hauptspeise und Wein kostet ab DM 80.

Gute Bücher: - "Liparische Inseln" von Eva Gründel und Heinz Tomek, Dumont-Reise-Taschenbücher, ISBN 3-7701-3083-9. - "Wanderungen auf Sizilien - mit Liparischen und Ägadischen Inseln" von Peter Amann, Bruckmann Verlag, ISBN 3-7654-2990-2 - "Die Insel hinterm Mond", eine äolische Erzählung des Schweizer Schriftstellers Roland Zoss, Edition Hans Erpf.

Vorwahl nach Italien: 0039 (Achtung: Wählen Sie auch aus dem Ausland die 0 vor der Provinzkennzahl) Postleitzahlen: für Lipari 98055, für alle anderen Inseln 98050.

Kurzportraits und Tipps pro Insel

Die Preise variieren je nach Saison. Wir geben für die Hotel die Höchstpreise von August pro Person an.

Lipari, die Städtische

(Postleitzahl 98055) Lipari ist die Hauptinsel der Liparischen Inseln, 37,5 km2 gross, mit 10 000 Einwohnern. Das kleine Städtchen Lipari bietet alles, was man sich im Urlaub wünscht: eine hübsche Altstadt mit Restaurants, Bars, Souvenirläden und Boutiquen, aber auch mit Apotheken, Buchhandlungen, verführerischen Bäckereien und echtem sizilianischem Alltag. Das Museo Archeologico Eoliano ist eines der wichtigsten archäologischen Museen Europas. Im Amphitheater neben der Burg werden im Sommer Open-Air-Kinofilme gezeigt. Auf der Insel Lipari findet man traumhafte Badestrände und Wanderwege, Ausgrabungssiedlungen ab der Steinzeit und die ältesten Thermen der Welt.

Unterkunft:

  • Gattopardo Park Hotel, Viale Diana, Tel. 090/981 10 35, Fax 090/988 02 07, gepflegte, herausgeputzte Anlage mit Zimmern im Bungalow-Stil, deutsches Management, DZ DM 220.
  • Hotel Oriente, Via Guglielmo Marconi, 35, Tel. 090/981 14 93, Fax 090/988 01 98, familiäre Atmosphäre, zentral gelegen, etwas laut, Zimmer im Garten verlangen, DZ DM 230. "Enzo il negro", Via Garibaldi, 29, Tel. 090/981 31 63. Einfacher Familienbetrieb mitten in der Altstadt, schöne Dachterrasse, Enzo ist der gute Geist am Hafen, organisiert auch Exkursionen. DZ DM 65.

Verpflegung:

  • Ristorante Filippino, P.zza Municipio, neben der Burg, Tel. 090/981 10 02, Fax 090 981 28 78. Gilt als bestes Restaurant von Lipari und macht seinem Ruf in jeder Hinsicht alle Ehre: Freundliche Bedienung, kreative, hervorragende Küche. Vermietet auch Appartements: e-mail filippino@netnet.it, www.filippino.it
  • Kasbah Café, Via Maurolico, 25, Tel. 0194/595 08 38: Wunderbares Vorspeisen-Buffet mit lokalen Spezialitäten, romantischer Garten mit Zitronenbäumen. Sehr lecker ist das karamellisierte Kaninchen.
  • Al Pirata, Salita S. Giuseppe, direkt links am kleinen Hafen, Tel. 090/981 17 96: Eigenwillig gut schmeckt der geräucherte Schwertfisch mit frischen Feigen. Ebenso zu empfehlen die "Schnitzel der sieben Inseln" und der Liperiotische Salat mit Kapern, Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln.
  • La Piazzetta, Piazza Monfalcone, Tel. und Fax 090/981 25 22: Knusprige Pizzen, sehr gutes Meerestier-Risotto.
  • Fast Food auf Sizilianisch: In der Rosticceria "Mancia e fui" am Corso Vittorio Emanuele sollte man unbedingt die köstlichen Arancini geniessen: Frittierte Safranreisbällchen mit Tomaten, Hackfleisch und Mozarrella gefülllt.

Sizilianisches Frühstück: In den Cafés gönnt man sich morgens das klassische Frühstück der Einheimischen: Granità di caffé alla panna (geeisten, starken Kaffee mit Sahne) und dazu frische Brioche, die in die Granità getunkt werden. Ebenso unverzichtbar: Die "Cannolo alla Siciliana", ein mit Ricotta gefülltes, knusprig frittiertes Teigröllchen.

Stromboli, die Feurige

Postleitzahl 98050 Eigentlich schade, dass die meisten Besucher Strombolis nur für die Vulkanbesteigung die Insel besuchen. Freilich ist dies ein unverzichtbares Erlebnis, doch die Insel selbst hat auch seine Reize: Ein pittoreskes Dorf, einsame Strände und Buchten, den kleinsten Hafen Italiens und wunderbare Appartements, die man mieten kann. Stromboli ist 12,6 km2 gross, hat 400 Einwohner. 1949 drehte Roberto Rosselini mit Ingrid Bergmann hier einen Film und genoss mit ihr die skandalöseste Affäre Italiens. Das Liebesnest der Beiden, ein romantisches Haus, ist heute noch zu besichtigen.

Unterkunft:

  • La Locanda del Barbablu, Via V. Emanuele 17-19, Tel. 090/98 61 18, Fax 090/986323, DZ DM 320. Sechs sehr schöne, stilvolle, individuell mit lokalen Antiquitäten eingerichtete Zimmer.
  • Casa del Sole, Via Soldato Guiseppe Cincotta, einfache, hübsche Zimmer zu günstigen Preisen, Kochgelegenheit, schöner Garten. Tel. 090/98 60 17, DZ DM 4

Verpflegung:

  • Ristorante da Zurro, gleich rechts beim Hafen, unbedingt den gemischten Vorspeisen-Teller bestellen, Fisch vom Feinsten, Tel. 090/98 62 83.
  • Ristorante Il Canneto, wunderbare, sehr traditionelle Küche, sympathische Leute, Via Roma, Tel. 090/98 60 14.

Sonstiges: Gleich beim Hafen findet man diverse Unternehmen, die geführte Bergtouren auf den Stromboli anbieten. Aufstiege ohne Bergführer sind möglich, erfordern aber gute Vorbereitung. Sehr erfahren und sympathisch ist der Bergführer Zazà (Mario Zaia), Tel. 090/98 63 15 oder 0368/67 55 73, e-mail zazarevi@tin.it

Filicudi, die Mystische

Postleitzahl 98050 Nebst den 250 Einwohner hat sich auf Filicudi ein buntes, intellektuelles Völkchen von Journalisten, Schauspielern und Schriftstellern niedergelassen. Die Insel eignet sich hervorragend zum totalen Rückzug, Wandern oder Geschichtsstudium. Sie ist 9,5 km2 gross, drei Viertel davon sind Naturschutzgebiet. Der Tourismus ist sehr bescheiden.

Unterkunft und Verpflegung:

Sonstiges: Auf den geführten Halbtageswanderungen von Roland Zoss und Franco Cappadona erfährt man mehr über Filicudis Botanik (von Olivenriesen zur heilkräftigen Meerzwiebel), Tierwelt (vom Gecko zum endemischen Eleonorfalken) und 4000-jährige Geschichte. Die Exkursion beginnt in Valdichiesa und führt entlang uralter Saumpfade ins Naturschutzgebiet von Montagnola. Auf dem Rückweg wird bei Interesse, ein Vulkanstein-Skulpteur besucht. Die dreistündige Exkursion schliesst mit dem Besuch bei einer einheimischen Familie. DM 50, Gruppentarife auf Anfrage. Informationen oder Anmeldung bei Roland Zoss, Telefon/Fax 0041 031 371 53 50,

Salina, die Grüne

Postleitzahl 98050. Seit dem Film "Il Postino" ist Salina berühmt, und doch ist sie bescheiden und urtümlich geblieben. Sie ist 26,8 km2 gross, hat rund 2300 Einwohner. Wer nach Salina kommt, sucht Natur, Ruhe und Romantik. Da Salina im Gegensatz zu seinen Nachbarinseln über genügend Grundwasser verfügt, ist sie die Grünste. Nahezu die gesamte Insel ist heute ein Nationalpark. Hier blühen im Frühling die Kapern, die "Orchideen der Äolen", die im Herbst die besten Kapern der Welt hergeben. Sehenswert daher das Kapernfest in Pollara, das jeweils Mitte Juni stattfindet.

Unterkunft und Verpflegung:

  • Hotel-Ristorante Mamma Santina, Mario Gullo, Via Sanità, 40, S. Marina Salina, Tel. 090/984 30 54, Fax 090/984 30 51, e-mail mammasantina@ctonline.it, www.mammasantina.it, Sehr schöne Zimmer mit Gemeinschaftsterrasse und Blick aufs Meer. DZ Halbpension DM 140. Tipp: Das oberste Zimmer mit eigener Terrassse verlangen. Wunderbare Küche. Marios Bruder vermietet auch Ferienwohnungen.
  • Hotel Signum, Via Scalo, 15, Malfa, Tel. 090/984 42 22, Fax 090/984 41 02. Romantische Anlage mit Stil inmitten von Traubenhainen, mit Blick aufs Meer. Hier liest man "Die Geschichte der westlichen Philosophie" und vergisst alle Sorgen. Bekannt für die hervorragende Küche. DZ DM 140
  • Das "Postino"-Haus kann man als Ferienhaus mieten: Infos bei Vittore Pippo Cafarella, Tel. 0339/425 36 84 oder 090/984 41 35, oder bei seinem Agent in der Schweiz: Tel. 0041 792 769 314, Preise auf Anfrage.

Sonstiges: So wie auf den anderen Inseln, gibt es auch auf Salina diverse private Anbieter, die geführte Ausflüge mit dem Boot anbieten. Ein echtes Erlebnis ist eine abendliche Rundfahrt mit dem Fischer Antonello Randazzo: Man fährt zu abgelegenen Buchten, fischt zusammen mit Antonello und lässt sich von ihm bekochen. DM 40 - 60 inkl. Verpflegung. Tel. 090/984 40 56 oder 0360 47 15 86.

Alicudi, die Einsame

Postleitzahl 98050. Auf Alicudi, der kleinsten Liparischen Inseln ist man fern ab von jeglicher Hektik. Hier gibt es keine Strasse, bloss Treppen und einige Esel, die zum Lastentransport dienen. Alicudi hat rund 100 Einwohner und ist 5,2 km2 gross. Gegessen wird bei Fischern, wer wo kocht, erfährt man im Lebensmittelgeschäft im Hafen.

  • Das einzige Hotel "Ericusa" liegt direkt am Meer, Via Regina Elena, Tel. 090/988 99 02, Fax 090/988 97 95.
  • Schöner: Appartements direkt am Hafen, z.B. die Casa Mulion, DZ ab ca. DM 30, Tel 090/98 89 910
  • Privatzimmer vermietet die auf Alicudi lebende Berlinerin Eva Mennner. Kein Telefon, Adresse: I-98050 Isola die Alicudi/ME.

Vulcano, die Gesunde

Postleitzahl 9805. Vulcano ist ein Fall für sich - sie ist zwar ebenso so reizvoll wie ihre Schwesterninseln, doch nahezu das gesamt Eiland stinkt nach faulen Eiern, weil sich Schwefeldämpfe ihres ruhenden Vulkanes ausbreiten. Dennoch hat die 21 km2 grosse Inseln mit ihren 450 Einwohnern ihre Vorzüge: In Porto die Levante bietet sie heilende Schlammbäder, die ohne Eintrittsgebühr genutzt werden dürfen. Schön ist auch eine Wanderung ins "Tal der Monster", dessen bizarre Felsformationen an Ungeheuer erinnern. Empfehlenswert ist auch die Vulkanbesteigung, wenngleich keine Lavaregen wie auf Stromboli zu erwarten sind.

Unterkunft:

  • Appartementanlage Villaggio Turistico Lentia, Informationen und Reservierungen bei Lentia, Parma, Via Mazzini 6, 0521/20 84 61
  • Hotel Arcipelago in Vulcanello, Tel. 090/985 20 02

Verpflegung:

  • Ristorante Gelso: Beim Tony Maniace isst man gut Fisch, Via Gelso, Tel. 0337/95 31 76 (oder 090/985 23 95).

Panarea, die Elegante

Postleitzahl 98050. Hier angelt man sich wohlmöglich einen Millionär. Wer es sich leisten kann, mischt sich unter die Schickeria in Panarea. Denn auf dieser 3,4 km2 kleinen Insel mit 300 Einwohnern treffen sich die reichen Norditaliener. Schnittige Jachten, Luxusvillen, teure Restaurants und Nobeldiscos prägen das Bild. Selbstverständlich aber hat auch Panarea seine ruhigen, einsamen Seiten und lädt wie seine Schwestern zum Wandern und Baden ein.

Unterkunft:

  • Eines der bekanntesten Hotels der Insel ist das "Raya", Località Costa Galetta, Via S. Pietro, Tel. 090/98 30 13, Fax 090/98 31 03, DM 240 - 400.
  • Albergo La Piazza, Via San Pietro, elegante Anlage in typischem Inselstil über dem Meer, ausgezeichnete Küche, Tel. 090/98 31 54, Fax 090/98 30 03

Verpflegung: Ein ausgezeichnetes Lokal ist das "Da Pina", Via S. Pietro, Tel. 090/98 30 32. Die Wirtin bietet auch Zimmer an.

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