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Kleinkinder: Reisen mit Kindern
Mit Säuglingen und Kleinkindern verreisen: geht das gut? Ja, sofern man sich richtig vorbereitet, unterwegs einige wichtige Tipps beachtet und die Eltern mit Zuversicht losreisen.
Für ein Kleinkinder-Spezial des Schweizer Gesundheitsmagazines Gesundheit Sprechstunde, 2001
Vor 14 Wochen erst ist er auf die Welt gekommen - nun reist er schon auf die andere Seite des Erdballs: Jens und seine Eltern machen Zwischenhalt in Singapur, haben 12 Stunden Flug hinter sich und noch 17 weitere bis Australien vor sich. Alles sei bisher gut gegangen, schwämt die junge Muttter, im Flug von Frankfurt nach Singapur habe ihr Sohn hauptsächlich geschlafen und die Hostessen seien sehr kinderfreundlich gewesen. Jetzt strampelt Jens voller Freude in einer tropischen Parkanlage und scheint die 30 Grad Temperaturunterschied und 7 Stunden Zeitverschiebung locker wegzustecken. "Alles kein Problem", behauptet seine Mutter, "man muss einfach selbst davon überzeugt sein, dass alles gut geht."
Da haben wir die Grundregel Nummer Eins beim Reisen mit Kleinkindern: Die Mutter muss innerlich ruhig und zuversichtlich sein, dann geht es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch dem Kind gut - schliesslich lebt der Säugling auch nach der Geburt in einer engen Symbiose mit seiner Mutter. Zudem sind Babies gar nicht so ortsbezogen - wichtig ist ihnen, dass sie ganz nah bei ihren Eltern sind. Dennoch sollte man vor einer Reise eine ehrliche Einschätzung seines Kindes vornehmen: Ist es gesund und reif genug, um die geplante Reise gut zu überstehen? Ebenso sollten die Eltern ihre Reiseform und Destination überprüfen. Eine endlos lange Busfahrt für eine dreitägige Städtereise ist für ein Baby wohl weniger geeignet als etwa ein Strandurlaub in zwei, drei Flugstunden Entfernung.
Dann gilt es vorauszudenken, denn Unvorhergesehenes kann mit einem Baby ganz schön stressig werden: Um allfällige Impfungen muss man sich schon zwei bis drei Monate im voraus kümmern. Ein Besuch beim Hausarzt ist daher zu empfehlen. Dabei kann man sich vom Arzt auch gleich eine Reiseapotheke zusammenstellen lassen (siehe Box). Ein, zwei Monate vor der Abreise ist es an der Zeit, eine Auslands- oder Reiserankenversicherung abzuschliessen.
Ebenso ist rechtzeitig an die Ausweise zu denken: Man kann selbst für Säuglinge einen eigenen Pass beantragen, oder man lässt sie im elterlichen Pass eintragen. Vor der Reise lässt sich auch bereits ein Babysitter am Zielort organisieren: Manche Verkehrsvereine führen Babysitter-Listen, grosse Hotels haben Kinderhorte. Ansonsten hilft oft der Inserateteil der lokalen Tageszeitung weiter.
Sofern Sie mit dem Baby fliegen wollen, sollten sie bereits beim Buchen die vorderste, meist für Familien reservierte, Sitzreihe verlangen. Dort kann man ihnen auch ein Baby-Bettchen montieren. Stillen sie ihr Kind beim Starten und Landen sofern es wegen des Druckausgleichs Ohrenschmerzen bekommen sollte. Säuglinge dürfen übrigens ab der ersten Lebenswoche fliegen. Je kleiner sie sind, desto eher verschlafen sie den ganze Flug. Nehmen Sie einen Vorrat an Windeln und Babynahrung mit und berechnen Sie auch unvorhergesehene Wartezeiten mit ein. Die meisten Fluggesellschaften führen auch einen kleinen Notvorrat an Windeln und Babynahrung. Wichtig: lassen Sie auch dem Kind Sicherheitsgurten anschnallen und verlangen Sie bei Flügen über Wasser eine Baby- Schwimmweste.
Ist man schliesslich am Ferienort angekommen, so empfielt es sich, einige Hygienemassnahmen strikte anzuwenden, selbst wenn die einheimischen Kinder dies nicht tun müssen, da sie bereits die lokalen Verhältnisse gewohnt sind: Geben Sie Ihrem Säugling nur selbst ausgekochtes Wasser in seine Flaschennahrung oder zum trinken. Ein mitgebrachter Tauchsieder und eine Termosflasche sind dabei sehr hilfreich. Lassen Sie ihr Kleinkind nie in der prallen Sonne liegen, auch nicht mit Sonnenschutzcrème. Scheuen Sie sich nicht davor, abzulehen, wenn jeder ihr Kind in die Arme nehmen, es streicheln und küssen will. In manchen südlichen Ländern ist dies üblich, ihr Kind wird es allerdings kaum in dieser Fülle mögen. Zudem schützen Sie es so vor Ansteckungen.
Sollte das Kleine dennoch krank werden, so können Sie in leichten Fällen ihm auch unterwegs Linderung verschaffen. Viele Kräuter und Gewürze, ja sogar Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Kartoffeln oder Zitronen, die man in jedem Lebensmittelgeschäft findet, können beispielsweise bei Erkältungen, Ohrenschmerzen oder Bauchweh helfen. Das Buch "Kinderkrankheiten natürlich behandeln" ist daher ein nützlicher Reisebegleiter.
Bei schwereren Erkrankungen hilft es, wenn Sie telefonisch Ihren Haus- oder Kinderarzt um Rat fragen können. Vergessen Sie seine Telefonnummer nicht zu Hause und notieren Sie auch die Nummern ihrer Versicherungen im voraus! Bei akuten Fällen fragen Sie im Hotel nach guten Ärzten oder suchen Sie ein Krankenhaus auf. Man wird Ihnen und Ihrem Kind überall helfen.
Denn nirgendswo wie auf Reisen - insbesondere in südlichen Ländern - werden Sie auf so viel Aufmerksamkeit und Freude stossen. Geniessen sie mit Ihrem Kind diese fremdartige uneingeschränkte Kinderliebe.
Das gehört in die Reiseapotheke
Sehr wichtig:
- Glucose-Elektrolyt-Mischung zum Ausgleich von Salz- und Flüssigkeitsverlusten bei Reisedurchfall
- Mittel zur Behandlung von Durchfall
- Fiebersenkende, schmerzstillende Zäpfchen (Es gibt verschieden dosierte Zäpfchen je nach Körpergewicht des Kindes)
- Fiebermesser
- Nur auf Anraten des Artzes: Antibiotikum, Hustenmittel, Ohrentropfen
Wichtig:
- Heftpflaster
- Wunddesinfektionssmittel (z.B. Vita Merfen oder Betadine)
- Mittel gegen Reisekrankheit (z.B. natürliche Mittel mit Ingwer)
- Gel gegen Insektenstiche, kleine Verbrennung und
Sonnenbrand, z.B. Fenistil oder Combudoron-Gel von "Weleda"
- Hautpflegecrème, z.B. Calendula-Babycrème von "Weleda"
- Camillosan flüssig oder Calendula-Essenz gegen äusserliche Entzündungen, z.B. für Sitzbäder oder Mundhygiene
Je nach Bedarf und Alter des Kindes:
- Nasenpümpchen, zum Abpumpen des Schleims bei verstopfter Nase (Erkältungen)
- Isotonisches, steriles Meerwasser zum Reinigen der Nase bei Schnupfen
- Mittel gegen die Schmerzen des Zahnens, z.B. ein schmerzstillendes Gel, Veilchenwurzel oder Beissring zum draufbeissen
- Mundgel gegen Pilzerkrankungen im Mund-Rachenraum oder Magen-Darmtrakt.
- Wundpaste zum Schutz der Haut gegen die Nässe der Windeln (bei roten Popos und Wundsein)
- Homöopathische Reiseapotheke
- Wasserentkeimungsmittel, falls am Reiseort kein sauberes Wasser zur Verfügung steht
Das gehört ins Reisegepäck:
- Wasserfeste Sonnencrème mit mindestens 30 Schutzfaktor
- Kopfbeckung, die gut sitzt und auch den Nacken schützt
- Anti-Insektencrème oder -spray (Achten Sie auf Kinderfreundlichkeit)
- Moskitonetz (gibt es auch in Kinderwagengrösse)
- Vertrautes Spielzeug, "Nuscheli" oder Lieblingsdecke
- Windelvorrat für die Reise
- Gewohnter Milch-/Nahrungsvorrat, falls im Zielland nicht vorhanden
- Evtl. Tauchsieder und Termosflasche für Schoppenzubereitung
- Einige Beutel Tee, z.B. Fencheltee gegen Blähungen, Lindenblüten- oder Kamillentee bei Unwohlsein
Gute Bücher:
- "Mit Kindern unterwegs", Birgitt von Maltzahn und Daniela Schetar, Serie Piper
- "Kinderkrankheiten natürlich behandeln", H. Michael Stellmann, Gräfe und Unzer





