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Pipette - Medizinische Labors - Reformatoren

Die Tessiner Spital-Labors litten unter Kostendruck und veralteten Strukturen. Deshalb gingen sie vor einem Jahr in die Offensive.

Für das Fachmagazin der Schweizer Medizinlaboratorien, via Papercommunications, 2002

Sie restrukturierten und zentralisierten ihre Aufgaben und gründeten in einer Pionierleistung das Departement für Labormedizin (EOLAB.)

Äusserlich sieht es in den Tessiner Spital-Labors so aus wie zuvor: Laboranten hantieren mit Reagenzgläsern, schauen durch Mikroskope und bedienen medizinische High-Techgeräte. In den Labors der Regionalspitäler Lugano, Bellinzona, Mendrisio und Locarno arbeiten mehrheitlich diesselben Mitarbeiter wie vor der Restrukturierung. Aber sie arbeiten anders. Ihre Denkweise hat sich geändert, ihre Arbeitsabläufe sind effizienter geworden, kostengünstiger, koordinierter – kurzum: moderner.

Eigentlich hatten ihre Chefs keine andere Wahl – dennoch haben sie diesen Erneuerungsprozess freiwillig eingeleitet. Schon 1999 wussten die Verantwortlichen der Tessiner Spital-Labors, dass ihre Arbeitsabläufe verkrustet, die Koordination der Kantonslabors ungenügend und die Betriebskosten zu hoch waren. Sie erkannten, dass sie auf diese Weise gegenüber der wachsenden Konkurrenz durch die Privatlabors nicht mehr gewachsen waren.

Die Laborchefs beschlossen, in die Offensive zu gehen, bevor sie dazu gezwungen würden. Sie wandten sich an das Ente Ospedialiero Cantonale (EOC), das Kantonale Spitalamt, das über die vier Regionalkrankenhäuser und ihre dazugehörigen Laboratorien wacht und baten esum Unterstützung für grundlegende, strukturelle Veränderungen.

Das EOC beauftragte daraufhin die renommierte Unternehmensberatung Ernst & Young, eine Analyse durchzuführen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Sie empfahlen drei mögliche Strategien: 1. Das komplete Outsourcing der bisherigen Laboraufgaben an bestehende Privatlabors. 2. den Neubau eines staatlich unabhängigen Labors. 3. ein internes Outsourcing – also eine Neuorganisation innerhalb der bestehenden Laboratorien mit zentralisierten Abläufen. Für die Labor-Leiter war klar, dass man Version 3 anstreben wollte. 2002 übernahm Damiano Castelli, den Auftrag, mit einer internen Arbeitsgruppe die Restrukturierung in Gang zu setzen und bis Januar 2003 die EOLAB zu schaffen, das „Dipartimento di medicina di laboratorio dell’ente ospedaliero cantonale“, eine Zentralstelle, die die vier Labors optimal koordiniert.

Einfach war das nicht: „Die grösste Herausforderung lag darin, die Motivation der Mitarbeiter für eine Zentralisierung zu gewinnen“, erinnert sich Castelli, Leiter der heutigen EOLAB. Denn zuvor hatte jedes der vier Labore seine Eigenart, auch ein gewisses Konkurrenzdenken gegenüber den anderen Tessiner Spitallabors. Die Laboranten arbeiteten über Jahre hinweg fix an ihren Arbeitsplätzen. Jedes der Labore analysierte in kleinen Mengen diesselben Proben. Nach der Zentralisierung wurden alle Spezialanalysen zusammengezogen. Sie werden nun ausschliesslich im Zentrallaboratoriumausgeführt. Den Spitallabors bleiben lediglich die Notfall-, Differenzial- und Routineanalysen.

Neuerdings werden die Mitarbeiter flexibler eingesetzt: Hat ein Labor höheren Bedarf an Personal, holt es sich Mitarbeitende aus einem anderen Labor. Ebenso kann auf der Fachebene besser koordiniert werden, im Zentrallabor können sich Spezialisten vertieft auf ein Fachgebiet konzentrieren – dadurch steigt die Kompetenz. Wo die Institute zuvor konkurrenzierten, spannen sie nun zusammen. „Somit wurde EOLAB zu einem der grössten medizinischen Labors der Schweiz“, sagt Castelli. Dank der neue Grösse und dem Zusammenführen der Analysen konnten auch die Kosten gesenkt werden.

Die EOLAB-Arbeitsgruppe und Castelli sind sich indes einig: es gibt trotz der ersten Erfolge noch viel zu tun. So soll EOLAB unter anderem im Herbst 2004 gemäss ISO-Normen akkreditiert werden. Ebenso gilt es, den Zentralisierungsgedanken weiter auszuarbeiten. Dennoch dürfen die EOLAB-Verantwortlichen stolz sein, da sie bisher die ersten Laborverantwortlichen der Schweiz sind, die eine Restrukturierung in dieser Grösse erfolgreich realsisiert haben. „Wir konnten beweisen, dass wir modernen Service bieten, mit den Privaten preislich kompetitiv sind und Arbeitsplätze gesichert haben“, sagt Balerna. Kein Wunder, dass sogar die Gewerkschaften diesem Prozess freudig zugestimmt haben.

Facts and Figures

EOLAB ist seit 1. Januar 2003 eines der grössten staatlichen Spitallabors der Schweiz. Es untersteht der EOC-Direktion, dem Tessiner Spitalamt, und hat seine Direktionin Lugano. EOLAB beschäftigt 95 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, behandelt pro Jahr 313'600 Dossiers und untersucht jährlich 1,8 Millionen Analysen. Es koordiniert die Spitallabors von Lugano, Bellinzona, Mendrisio und Locarno sowie die kleinen Spitallabors in den Tessiner Tälern (in Faido, Acquarossa).

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