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Masterfoods - Wirz Corporate - Welt der Katze - Zöllner

Der getigerte Doppelbürger: Anfangs war er ein Bauernkind unter vielen. Dann folgte sein Aufstieg zum Chef über Schäferhunde, Hasen und eine ganze Menschenfamilie. Schliesslich ernannte sich Kater Stritzi zum Zollbeamten.

Für das Magazin "Welt der Katze" von Masterfoods, im Auftrag von Wirz Corporate AG, 2004

Die Zöllner und Grenzgänger im Rafzerfeld mögen über ihn denken, was sie wollen – blöd ist er sicherlich nicht. Kater Stritzi begeht seine Tage mit Kalkül. Er ist wohl eine der wenigen Katzen dieser Welt, die zwar aus Erfahrung wissen, wie tierisch schmerzhaft der Zusammenstoss mit einem Auto sein kann, die ihre Tage aber dennoch mitten auf der Strasse verdösen. Unverzagt sonnt sich Stritzi jeweils auf der Sicherheitslinie der Überlandstrasse von Wil/ZH; stunden-, ja tagelang. Schliesslich weiss er genau, wann der Grenzübergang bei Wil-Bühl geöffnet ist: Wenn Menschen in Uniform auftauchen und die Grenzbarrieren quer zur Strasse stehen, dann – so zeigt die Erfahrung in Stritzis 9jährigem Katzenleben – rollen die Autos bloss im Schritttempo durch sein Reich. Keiner würde es dann noch wagen, zu rasen. Alle nicken oder winken sie freundlich, erbeten Durchlass, kurven vorsichtig um Stritzi herum. Rund 500 Grenzgänger defilieren täglich an ihm vorbei. Gelegentlich schenkt er seinen Untertanen ein müdes Zwinkern, ein kleines Winken mit der Schwanzspitze. Meist straft er sie mit Ignoranz.

Sobald sich der erste Gluscht meldet, macht Stritzi im Zöllnerhäuschen Pause, mauzt die Uniformierten so lange an, bis er ihnen zwei Kaffeerahm-Portionen abgerungen hat, stiehlt ihnen darüberhinaus gelegentlich noch einige Guetzli oder gar einen Landjäger und legt sich dann erneut zum schlafen. Sollte es kalt oder nass sein, rollt er sich im Zollhaus auf dem Fenstersims über der Heizung zusammen – von hier aus geniesst er beinahe dieselbe gute Übersicht über das Grenzgeschehen wie draussen auf der Strasse. Sollte tatsächlich mal Action in Stritzis geruhsames Zöllnerdasein kommen, ist er selbstverständlich zur Stelle: Sobald die Uniformierten das Gepäck eines Grenzgängers kontrollieren, streicht Stritzi allen Beteiligten um die Beine und verlangt, was einer Katze in einer solchen Situation gebührt: alle Aufmerksamkeit und möglichst viele Streicheleinheiten.

In jenen Zeiten, in denen der Grenzübergang geschlossen ist und Stritzi dienstfrei hat, widmet er sich seinem zweiten Reich, der Wohnung im oberen Stock des Zollhauses. Hier lebt Sven, ein 14jähriger Junge, der glaubt Stritzis Besitzer zu sein, aber irgendwie ist es ja umgekehrt, bloss begreifen das die Menschen nie so recht. Jedenfalls hat Sven den kleinen Stritzi einst bei einer Bauersfamilie ins Herz geschlossen und zu sich nach Hause genommen. Bei den Bauern hatte Stritzi eine glückliche Kindheit genossen: Dort hatte er unter der Obhut einer Bäuerin gelebt, die in der ganzen Gegend für ihre Tierliebe bekannt ist. Bei ihr hatte Stritzi alles bekommen, was ein Kätzchen in den ersten Lebenswochen braucht: Wärme und Milch bei seiner Mutter, rund zwanzig gleichaltrige Spielgefährten und eine Frau, die ihm das freundschaftliche Zusammenleben mit den Menschen beibrachte. In Svens zu Hause bekam Stritzi neue Freunde: Hier leben Hasen, ein Schäferhund zwei Buben und eine Frau.

Die Frau, die muss Stritzi frühmorgens jeweils energisch wachmiauen, dann erhält er von ihr sein Frühstück. Sie kümmert sich am meisten um ihn, redet viel mit ihm und streichelt ihn oft. Als er als halbjähriger Jungkater mal von einem Auto angefahren worden war und sich mit gebrochener Hüfte nach Hause geschleppt hatte, da hat ihn die Frau in ein Körbchen gebettet und ihn während Wochen gesund gepflegt. Immer wieder mal bringt sie ihn auch zum Tierarzt, dann etwa, wenn er sich nachts auf einer Streiftour mit einem anderen Tier gerauft hat und verletzt nach Hause kommt, wenn er in eine Dorne getreten ist, sich irgendwo einen Abszess geholt hat oder sein Zahnstein Entzündungen hervorruft. Einfach ist das nicht – weder für den Tierarzt, die Frau, noch für Stritzi. Schliesslich ist er ein stolzer Kater, ein robuster Mocken, der sich mit allen vieren gegen eine Behandlung sträubt und mindestens eine doppelte Betäubungsspritze benötigt, bevor er Ruhe gibt.

Die Frau pflegt zu sagen, dass Stritzi der Chef der Familie sei, dass er alle Mitglieder unter Kontrolle habe. Mit den Hasen hat er am wenigsten zu tun, die sitzen meist in irgendeinem Erdloch. Schäferhündin Aleia muss er indes immer wieder mal disziplinieren. Als sie noch ein Welpe war, da schlief er jeweils mit ihr im selben Körbchen, mittlerweile muss sie akzeptieren, dass sie nur in ihr Hundekörbchen darf, wenn Stritzi den Platz frei gibt – ansonsten hat sie zu warten. Oft schläft er aber auch bei Sven im Bett, gelegentlich bei Svens Bruder.

Im Sommer aber, da wird weniger geschlafen. Da widmet Stritzi die Nächte und frühen Morgenstunden seinen Streifzügen. Nur 50 Katzenschritte vom Haus entfernt liegt ein Wald, darin ein Sumpf, um den Wald erstrecken sich weite Felder – was für ein Paradies für einen Mäuse- und Vogeljäger wie den Stritzi! Da kann es schon mal vorkommen, dass er während mehreren Tagen nicht nach Hause kommt, dass sich selbst die Zöllner wundern, wo der Stritzi denn bleibt.

Das ist dann ein wenig wie Ferien für die Diensthunde der Zollbeamten. Sie sind ja besonders wohlerzogen und gehorsam – und Stritzi weiss genau, dass er sie deswegen gefahrlos provozieren kann, so viel er nur will: Aufreizend tänzelt er jeweils um sie herum, blitzt sie mit seinen grünen Augen an, haut ihnen gelegentlich mit der Pfote grundlos auf die Schnauze. Allerdings lassen sich die Zollbeamten auch nicht alles bieten. Wenn Stritzi ihre Autos jeweils als Tanzfläche nutzt, dann bekommt er öfter mal eine scharfe Ladung aus einer Wasserpistole ab – schliesslich sind auch die Zöllner nicht blöd.


Tipps für einen Besuch im Rafzerfeld

Wil liegt im Rafzerfeld, unmittelbar bei der Grenze nach Deutschland. Die vier Rafzerfeldergemeinden Rafz, Wil, Hüntwangen und Wasterkingen sind von alters her ausgesprochene Rebgemeinden, die sich in den windgeschützten Nischen angesiedelt haben. Von hier aus führen kilometerweite Wege durch stille Wälder, gelbe Sonnenblumenfelder und entlang des verträumten Rhein-Ufers. In dieser lieblichen Gegend kann man daher sehr gut wandern, Velofahren, reiten, angeln, Schifffahrten auf dem Rhein unternehmen und in Besenbeizen lokale Spezialitäten geniessen. Eine der lokalen Delikatessen ist die Rieslingsuppe, die man allerorts serviert bekommt.

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