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Masterfoods - Wirz Corporate - Welt der Katze - Liv
Spielen und schmusen, trauern und träumen: Kinder erleben mit ihren Katzen intensive Momente. Die neunjährige Liv hat zu Hause Büsis gebären und sterben sehen. Kater „Bueb“ ist ihr liebster Freund.
Für " Welt der Katze", Masterfoods, via Wirz Corpration, 2006
Sie kann vor lauter Glück nicht einschlafen. Die neunjährige Liv liegt im Elternbett und lauscht den Geräuschen. Nebenan hält die Katzenmutter Minusch Livs Kinderbett besetzt. Sie hat darin an diesem Abend vier Junge geworfen. „Das ist der schönste Tag in meinem Leben“, schrieb Liv vor dem Schlafengehen in ihr Tagebuch. Nun ist sie ungeduldig, freut sich auf morgen. Was werden ihre Freundinnen in der Schule staunen, wenn sie ihnen von der Geburt erzählt! Wie Minusch gemaunzt und geschrien hat. Wie ein blindes Knäuelchen nach dem anderen zur Welt kam – Natur pur in Livs Kinderzimmer! Tausend mal besser als jeder Tierfilm im Fernsehen.
Noch ahnt Liv nicht, dass sie den nächsten Tag mit Tränen beginnen wird. Das alles anders kommt... Sie ist sich gewiss: Eines dieser vier Jungen wird ihres sein. Eines darf sie behalten. Schliesslich hat ihre Familie dazu gelernt. Ein Jahr zuvor, als Minusch ihren ersten Wurf zur Welt gebracht hatte, da haben ihre Eltern nähmlich entschieden, alle vier Kleinen wegzugeben. So weit so gut. Als die Kätzchen dann aber gross genug waren und fremd platziert wurden, kam der grosse Jammer über die Familie. Liv war mittlerweile in einen kleinen, roten Kater vernarrt, ihr Liebling von Anbeginn, bloss war er längst einem anderen Kind versprochen und nun musste er fort. Ein bitterer Abschied. Livs Tränen wollten nicht versiegen. Die Eltern konnten sie nur mit einem Versprechen trösten: Beim nächsten Wurf, Liv, darfst du ein Büsi für Dich behalten. Nun also ist es eingetroffen, dieses heiss ersehnte Ereignis. Wie wollte man da einfach so einschlafen können?
Der nächste Morgen kommt und Livs Mutter empfängt ihre Tochter mit der Frage, ob sie erst die gute oder die schlechte Nachricht hören wolle. Erst die schlechte Nachricht, sagt Liv. Ihr Mutter sucht nach den richtigen Worten: Liv, eines der Kleinen ist diese Nacht gestorben. Aus! Am frühen Morgen ist der Tag bereits zu Ende. Genau genommen ist für Liv in diesem Moment alles zu Ende. Ein Büsi ist gestorben!? Für Liv ist das unfassbar. Sie weint, schluchzt, trauert zutiefst. Eine so heftige Reaktion hat Livs Mutter nicht erwartet, wie konnte sie auch, wo sie doch eine Erwachsene ist, alles rationaler sieht als ein Kind – und wo sie doch weiss, was die gute Nachricht wäre, eine Überraschung, die Liv vor lauter Verzweiflung erst gar nicht mitbekommt: dass zwar ein Büsi gestorben ist, ein schwarz-weisses, dass aber spät nachts noch ein fünftes Katzenkind zur Welt gekommen ist, ein rotes Katerli, genau so eines, wie Liv ein Jahr zuvor hatte weggeben müssen – der Kater für Liv!
Die Stürme in einer Kinderseele legen sich glücklicherweise rasch. Der Bestürzung folgt ein neues Glück: Liv verliebt sich rasch in den roten Kater. Es ist, als ob “Bueb” für Liv geschaffen wurde, so gut passt er zu ihr. Unermüdlich turnt er mit Liv auf dem Sofa herum, tigert durch ihre Playmobil-Landschaften, spielt Versteckis in den Migros-Einkaufssäcken und Kartonschachtel, die sie für ihn präpariert. Ein halbes Jahr lebt er mittlerweile in Livs Familie. Die Mutter sagt, er sei ein Schmusekater, einer, der immer grad dort herumschleicht, wo sich auch die Menschenfamilie aufhält. Ein wahres Familienmitglied, so wie schon seine Mutter Minusch. Nicht mehr wegzudenken.
Selbstverständlich hat Liv auch Kinder als Freunde, ihre Schulkolleginnen, mit denen sie gerne spielt. Aber das ist nicht dasselbe wie so ein Büsi-Freund. Denn eine Katze, die versteht einem auch dann noch, wenn alle anderen längst nicht mehr drauskommen. Mit ihr kann man träumen und reden, ohne das Worte gebraucht werden. Zudem ist Livs Kater immer für sie da. Und Liv ist für ihn da - zumindest was das Streicheln, Schmusen und Spielen betrifft. Sie füttert ihn auch und reinigt sein Kistchen, allerdings nicht regelmässig, denn so ein festes Ämtli will ihr die Mutter noch nicht aufbrummen, sie findet es besser, wenn Liv diese Aufgaben von sich aus und freiwillig übernimmt.
Das Katzenforum Schweiz schreibt in einer Info-Broschüre über Kinder und Katzen (siehe Box), dass Kinder ab ca. acht Jahren in der Lage sind, in die Verantwortung für ein Tier hineinzuwachsen. Dank ihren Haustieren entwickeln die Kinder mehr Verantwortungsbewusstsein, weisen ein ausgeprägteres Sozialverhalten auf und sind weniger aggressiv im Umgang mit ihren Mitschülern – das ergab eine Untersuchen an Primarschulen in Deutschland. Auch Livs Mutter stellt fest, dass Minusch und Bueb ihrer Tochter gut tun. Sie wirken ausgleichend auf Stimmungsschwankungen, sie sind ein gutes mütterliches Argument, um Liv vom Spiel mit ihren Freundinnen abends nach Hause zu locken.
Noch wichtiger: Sie geben Liv und ihren Eltern Anstoss, um über Liebe und Verlust, Leben und Tod zu sprechen. Schliesslich erlebt die Familie diese Geschehnisse mit ihren Büsis hautnah. Auch über Sexualität und Fortpflanzung wird heftig diskutiert. Denn seit Bueb und seine Geschwister auf der Welt sind, wurde Minusch die Antibabypille verordnet – auf dringenden Wunsch von Liv. Dem Mädchen war es ein grosses Anliegen, dass Minusch nicht sterilisiert wird. Es scheint ihr unrecht, dass die Menschen so radikal in den Lauf der Natur eingreifen. Zur Kastration von Bueb gab sie erst nach heftigen Debatten die Einwilligung, weil sie einsah, dass es in einer Stadtwohnung nötig ist, den üblen Markierungsgeruch eines rolligen Katers zu verhindern. Und weil die Mutter ein weiteres Argument ins Feld führte: Wenn wir ihm schon den Geschlechtstrieb nehmen wollen, dann tun wir es besser früh genug, bevor er weiss, was er verpasst.
So ist Bueb ein munterer Junggeselle, der alles hat, was eine Wohnungskatze braucht: viel Platz in einer geräumigen Jugendstilwohnung; ein zweites Katzengespänli; Auslauf zum Garten; und eine fürsorgliche, lustige, kleine Menschenfreundin. Liv widerum hat in ihm einen Freund, der sich jede Nacht treu an sie herankuschelt – Grund genug, um jeweils glücklich einzuschlafen.
Info-Box
Das Zusammenleben mit Hauskatzen tut Kindern erwiesenermassen gut. Bevor eine Familie sich einen Stubentiger anschafft, sollte sie indes die folgenden Punkte klären:
- ist das Kind reif genug, um den richtigen Umgang mit einem Tier zu erlernen? Das Katzenforum Schweiz empfielt, dass die Kinder mindestens drei Jahre alt sein sollten.
- Hat die Katze genügend Raum, um sich zu bewegen, einige ruhige Schlafplätzchen sowie einen Fensterplatz zum rausschauen?
- Wer kümmert sich um die Katze? Kinder ab sieben oder acht Jahren können allmählich lernen, mehr und mehr für ihr Tier zu sorgen. Die Pflege und Fütterung einer Katze sowie das Reinigen der Katzentoilette benötigt etwa eine halbe Stunde pro Tag. Zudem braucht das Tier Zuwendung und Streicheleinheiten.
Weitere Informationen über das Zusammenleben von Kind und Katz liefert das Katzenforum Schweiz. Dort sind die folgenden Broschüren gratis erhältlich: “Kleiner Freund auf Samtpfoten” und “Familienglück mit weichem Fell und sanften Pfoten”. Schriftlich zu bestellen unter Katzenforum Schweiz, Postfach 1273, 8032 Zürich oder forum@katzen.org.
Info-Box
Diese Regeln sollten Kinder im Umgang mit Katzen befolgen können:
- Eine Katze ist kein Stofftier und kein Spielzeug. Man muss ihren Willen respektieren und behutsam mit ihr umgehen.
- Katzen haben ein feines Gehört. Laute Musik, schrilles Geschrei tun ihr nicht gut.
- Katzen und Menschen essen nicht diesselben Lebensmittel. Weder nehmen Kinder Futter aus dem Topf des Büsis, noch darf das Büsi vom Teller der Menschen essen.
- Büsis sollen nicht herumgezerrt und gegen ihren Willen getragen werden. Man darf eine erwachsene Katze nicht am Nackenfall hochheben, sondern legt eine Hand unter ihre Brust und stützt das Tier mit der andern Hand unter dem Po.
- Eine Katze schläft rund 15 Stunden am Tag schläft. In dieser Zeit soll sie in Ruhe gelassen werden.
Weitere Tipps für Kinder im Umgang mit Katzen finden Sie in der Gratis-Broschüre “Alles für die Katz’” vom Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft. Schriftlich zu bestellen bei IEMT Schweiz oder kontakt@iemt.ch





