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Kanebo Cosmetics - Zen-Buddhismus

"Der Mensch läuft hinter den Vergnügungen her, dem Geld, der Macht, den Anerkennungen. An dem Tag, wo er anfängt, sich selbst anzuschauen, beginnt er spirituell zu werden... (Meister Taisen Deshimaru)

Für das Kanebo Club Magazin von Kanebo Cosmetics Switzerland, 2000

Zen - davon haben wir alle schon gehört. Aber was ist es eigentlich? Eine Religion, eine Entspannungsform, eine Konzentrationstechnik? Eine gestrenge japanische Geisteskultur? Die westlichen Lifestyle-Hefte präsentieren es heutzutage als Trend in der Mode, Architektur und in den Wohnungseinrichtungen. Die Geistlichen wie etwa der Schweizer Jesuit Niklaus Brantschen preisen es als "einen Weg, das Leben zu lernen"; die Zürcher Kleidermacherin Christa de Carouge als "meinen Alltag, der mir Herz und Körper wärmt"; und Andreas Löffel, ein Mitarbeiter im Zen Dojo Zürich, will es den Leserinnen des "Kanebo Club Magazine" gar als Mittel zur Schönheit näher bringen, quasi als innere Kosmetik, die Ihre Seele nährt und Ihnen dadurch zu einer schöneren Ausstrahlung verhilft. Und es stimmt: Genauso wie verliebte und glückliche Menschen besser aussehen, so wirken Menschen, die Zen praktizieren, gesünder, harmonischer, entspannter - und somit auch schöner. Ebenso stimmt, dass Zen, die spirituelle Lebensweise Japans verkörpert. Sie beinhaltet Meditation und Konzentration auf das Wesentliche. Und sie manifestiert sich in einer reduzierten, klaren, ruhigen äusseren Form.
Zen geht auf die Erfahrung und Erleuchtung des Buddha Shakyamuni zurück, der ca. 500 vor Chr. in Indien lebte. Nach tausend Jahren, in denen sich Buddhas Lehre in Indien ausgebreitet hatte, brachte sie der Mönch Bodhidharma nach China und verbreitete sie dort unter dem Namen "Ch'ang". Durch den japanischen Mönch Dogen kam das Zen im 13. Jahrhundert von China nach Japan, prägte nachhaltig die japanische Kultur und ihr Geistesleben. Im Mittelpunkt des Zen-Buddhismus steht die "sitzende Versenkung", das sogenannte "Zazen", bei dem die Praktizierenden in der Meditation die Erleuchtung suchen, also zu "Satori" finden wollen, zur plötzlichen Erkenntnis des Seins. Der Zen-Buddhismus beeinflusste nachhaltig die japanische Kunst, die Gestaltung der Gärten und der Teezeremonien.
In den letzten Jahrzehnten gewann Zen auch in Europa und Amerika zunehmend an Einfluss. Kein Wunder, denn in der westlichen Gesellschaft, die immer mehr unter Hektik, Informationsüberflutung und Leistungsdruck ächzt, verspricht eine spirituelle Weisheit, die Ruhe, Klarheit und Achtsamkeit vermittelt, im wahrsten Sinne des Wortes die Erlösung von allen Lasten. Zwar kennt der Zen-Buddhismus keinen Erlösergott, wie ihn das Christentum hat, und doch führt auch "Satori" zu einer Befreiung von den Lasten irdischen Daseins. Im Zen geht es um das Jetzt, um den Augenblick, um eine Einkehr in das tiefste Innere des Menschen. Wenn die buddhistische Lehre vom "Nichts" spricht, von jenem Seelenzustand, den die Buddhisten anstreben, dann bezieht sie sich dabei direkt auf das Selbst des Menschen. "Leere" oder "Nichts" realisieren, heisst radikal frei werden. Zu allen Zeiten und gegen den Horizont weltlicher Endlichkeit hat das Leben solche Berührung gesucht und gefunden. Entscheidend ist, dass uns "etwas" erreicht - unser inneres Paradies, das in aller Achtlosigkeit und Hektik des Alltags zu verkümmern droht.
Nicht zufällig heisst deshalb der erste Schritt von Meister Dogen: sich selbst studieren! Um sich selbst wirklich zu begegnen, sollen die Dinge einfach mal so sein dürfen, wie sie nun gerade mal sind. Wir sträuben uns nicht dagegen, wir bewerten sie nicht, wir "hätscheln" sie aber auch nicht. Wir lassen sie einfach mal sein: der ganze Wust von Emotionen, der uns zu Marionetten unsere Begierden macht, soll an Beachtung verlieren: Unlust, Sehnsucht, Angst, Ärger, Neid usw. sind Bestandteile dieser grossen "Suppe" des Geistes. Buddhisten suchen nicht primär nach deren Ursachen, sondern akzeptieren, dass sie aus den Erfahrungen ihres Lebens oder ihrer vorergehenden Leben entstanden sind. Sie sind aber auch ein Ausdruck tiefster Verbundenheit mit allen anderen Wesen.
Doch sind sie nicht das wahre Leben, sondern bloss vorübergehende Erscheinungen ohne Bestand. Zen-Medidation vermag über die Suche nach Annehmlichkeiten hinaus zu tiefer (Selbst-) Erkenntnis führen. Wenn die Praxis auf dem Sitzkissen nicht zu einer Flucht in eine Zuckerwattenwelt ausartet, begegnen die Praktizierenden all den Regenbogenfarben des Geistes. Man atmet ein und aus, wird ruhig und klar, beginnt zu lächeln. Eine stille Heiterkeit breitet sich aus. Zen führt zu einer tiefen, leib-geistigen Entspannung, stärkt damit auch die Nerven und die Gesundheit. Ob dies wohl der Grund ist, weshalb die Japaner gemäss neuesten Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sich der grössten Lebenserwartung aller Völker erfreuen dürfen? Nachahmenswert scheint es alleweil.
Die Zürcher Modemacherin Christa de Carouge hat sich schon 1983 für den Weg des Zen entschlossen. Damals, nach vielen Hochs und Tiefs in ihrem Leben, suchte sie nach einer neuen Richtung. "Ich wollte wissen, wer ich wirklich bin, und wie ich künftig denken, arbeiten und leben wollte", erinnert sie sich. Die Ästhetik des Zen, dessen Reduziertheit und Qualität interessierten sie schon damals. So reiste sie für fünf Wochen nach Japan und lernte in einem Zen-Tempel meditieren. Was sie dabei überraschte und auch erfreute: Die dortigen Zen-Mönche waren gar nicht so streng und asketisch, wie man im Westen immer glaubt. "Sie führen wohl kein Larifari-Leben", berichtet Christa de Carouge, "vielmehr sind sie konsequent. Das heisst, wenn sie lustig sind, sind sie wirklich lustig, wenn sie arbeiten, arbeiten sie, und wenn sie ernst sind, sind sie erst". Klarheit, Konzentration, Konsequenz - und zwar nicht nur im Geistlichen sondern auch im Weltlichen.
Seit dieser Einführung lebt Christa de Carouge den Zen-Buddhismus. Allerdings sitzt sie deswegen nicht stundenlang auf einem Kissen, sondern übt des Geist des Zen in ihrem Alltag: "Ich lebe es jede Stunde, das fängt schon morgens beim Aufstehen an, indem ich alles mit Freude mache: Das Bettmachen, Zähneputzen und Ankleiden." Denn wer sich im Leben mehr auf die kleinen Dinge achtet, das Schöne bewusst versucht wahrzunehmen, der findet auch zu mehr Freude. "Ich versuche meine Wahrnehmungen in der jeder Beziehung auf das Positive zu richten", sagt Christa de Carouge, und dies habe sie nicht nur zufriedener sondern auch stressresistenter gemacht.
Der Aufwand lohnt sich also. Die Übungen tragen irgendwann Früchte. Denn obschon der Einstieg in Zen nicht einfacher sein könnten - sitzen und atmen kann schliesslich jeder - so erfordert die Praxis doch eine innere Entschlossenheit und Ausdauer. Zen im Schnellverfahren, das gibt es nicht. Eher ist es eine Lebensaufgabe.


Meditationstipps


Wollen Sie Zazen praktizieren, so setzen Sie sich einfach hin und lassen den Geist frei werden. Denn "Zazen ist nichts weiter, als sein Herz und seinen Geist vollkommen zu öffnen, sich nur auf die Wahrheit zu konzentrieren und die Gewohnheiten des Karma fallen zu lassen" (Meister Nyojo, 13. Jhrt.) Am besten wählen Sie dafür ein ruhiges Zimmer. Setzen Sie sich entspannt im Schneidersitz auf ein Kissen (den Lotussitz, bei dem die Füsse auf den Oberschenkel ruhen, werden Sie später kennenlernen). Die Hände legen Sie unter Ihrem Bauchnabel flach aufeinander, die rechte Handinnenfläche auf die linke, die Daumen berühren sich leicht. Ihr Körper bildet eine Pyramide. Achten Sie auf einen geraden Rücken. Schliessen Sie Ihre Augen oder lassen Sie halbgeöffnet auf einem Punkt ruhen. Atmen Sie tief und ruhig durch die Nase ein und durch den Mund aus. Lassen Sie den Atem durch Ihren Körper "rollen", achten Sie sich bloss noch auf ihn. Versuchen Sie, an nichts anderes zu denken. Gedanken, Sorgen oder Ideen, die aufkommen, lassen Sie wie Wolken an sich vorbeiziehen. Schenken Sie ihnen keine Beachtung. Wenn die Gedanken sie stören, hilft es, wenn Sie sich auf ihre Atmung konzentrieren, indem Sie die Atemzüge zählen, immer von ein bis zehn, und dann wieder von vorne. Am Anfang reichen einige wenige Minuten, später werden Sie das Bedürfnis verspüren, länger in der Meditation zu ruhen.

Adressen:


- Jeden Samstag um 10.00 Uhr finden im Zen Dojo Zürich Einführungen für alle statt, die Zazen kennenlernen wollen, bis ca. 13.00 Uhr. Preis Fr. 15.-, keine Anmeldung nötig: Rindermarkt 26, 8001 Zürich, Tel. 01 261 81 59, Fax 01 262 75 27
- Dreitägige Zen-Einführungskurse bietet auch das christliche Zentrum für Spiritualität "Lassalle-Haus": 6313 Edlibach/Zug, Tel. 041 757 14 14, Fax 041 14 13, e-mail ispw@bluewin.ch, www.lassalle-haus.com/
Literatur:
- "Zen, weil wir Menschen sind" von Fumon S. Nakagawa, Theseus Verlag Berlin, ISBN 3-89620-116-6
- "Die grosse Befreiung - Einführung in den Zen-Buddhismus" von Daisetz T. Suzuki, O.W. Barth Verlag, ISBN 3-502-67594-5
- "Der Weg ist in Dir - Annregungen zur Meditation" von Niklaus Brantschen, ISBN 3-545-20116-3
- "Zen Unterweisungen" von Hugo M. Enomiya-Lassalle, Kösel Verlag, ISBN 3-466-20285-x
- "Dir Kraft der Gelassenheit: Fernöstliche Weisheiten für einen stressfreien Alltag" von Arthur Sokoloff, dtv Verlag, ISBN 3-423-36090-9.
- "Einfach Zen" von Charlotte Joko Beck, Knaur Verlag, ISBN 3-426-86070-8

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