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Wo tummeln sich die Künstler?
Eine meiner Kundinnen ist als bildende Künstlerin in Italien tätig. Seit einigen Monaten hat Sie einen eigenen Webauftritt, seit kurzem auch eine fanpage auf facebook. Ich stehe ihr in Kommunikationsfragen beratend zur Seite. Wie soll sie nun auf der neuen facebook-Seite kommunizieren? Was interessiert die fans einer Künstlerin? Wie tritt sie mit Ihnen in Dialog?
Ich empfahl ihr zu tun, was ich allen rate, die ich in Social Media berate: Erst mal die Auftritte der "Konkurrenz" zu analysieren. Wie äussern sich andere bildende Künstlerinnen und Künstler auf facebook? Was machen sie gut, was nicht? Wie werden Sie innerhalb von Social Media kreativ?
Doch nein: Sie tun es nicht! Hier das Recherche-Ergebnis der Künstlerin: "... Nun habe ich einen Abend lang auf FB die Künstler gesucht, die mir gefallen. Eine ganze Reihe eher unbekanntere, jüngere (die mir auf dem Kunstbulletin aufgefallen sind) aber auch die hochkarätigen, die schon berühmt sind. Das Ergebnis war ziemlich enttäuschend. Ich habe keine einzige aktive FB Seite gefunden. Entweder waren es einfach so Seiten mit biografischen Angaben oder sie hatten gar keinen Account."
Ja, wo sind Sie denn...?! Warum die Zurückhaltung? Ist es Unsicherheit vor einem neuen System? Ignoranz? Ist es für ernsthaft Kulturschaffende gar "ungehörig", sich auf Massenkanäle wie facebook einzulassen...?
Wohl gibt es die Möglichkeit, fanpages zu erstellen, erst seit knapp zwei Jahren, und natürlich haben sich zuerst die kommerziellen Unternehmen darauf gestürzt, aber warum nicht auch die KünstlerInnen? Für Unternehmen gibt es mittlerweile dicke Fachbücher über "Social Media Marketing". Weil es die Kundenbindung und somit das Geschäft stärkt, weil es den Dialog fördert, weil es Spass macht, Kunden zu Stammkunden zu machen und sie kennen zu lernen.
Ist das nicht auch ein Anspruch der Künstlerinnen und Künstler? In den Dialog mit den Kunstinteressierten treten. Raum für Neues vorfinden. Keine Umwege über Medienvertreter machen zu müssen. Eigene Öffentlichkeit schaffen...!
Die wenigen Funde auf facebook bringen meine Künstlerin zu folgender Überlegung: "Das würde eigentlich bedeuten, dass bildende Künstler das Instrument FB noch gar nicht nutzen (oder nur "zweckentfremdet" im Sinne einer statischen Biografienotiz). Das heisst aber auch, dass man natürlich was ganz Neues kreieren könnte..."
Genau! Darin liegt die Herausforderung und die Freude an der Sache. Man kann etwas Neues erfinden, man kann neue, eigene Standards definieren, man ist von Anfang an dabei bei einer neuen Bewegung.
Blenden wir zurück: In den Redaktionen der grossen Publikumsmedien war es bisher so, dass die Leserforschung zeigte, dass der Kulturteil von den Lesern am wenigsten genutzt wird. Die Verlage halten nur daran fest, weil Kultur-Berichterstattung dem Prestige der Zeitung zuträglich ist. Kulturschaffende forderten indes stets mehr Raum, mehr Aufmerksamkeit seitens der Presse.
Nun, da ihnen virtueller Raum zur Verfügung steht und sie die Presse dank Social Media (Blogs etc.) eigentlich immer weniger bräuchten, nutzen sie die Chance nicht wirklich aus. Viele unbekannte Kulturschaffende haben in der Regel auch keine oder nur dürftige Websites. Eine Website kostet, aber Social Media ist gratis. facebook-fanpages sehen für alle einheitlich aus, sie sind nach fixem Raster für alle gleich, für mich, dich, Pippilotti oder Obama. Mit etwas Geld für den Programmierer kann man sie aufpeppen, aber ihr Rahmen bleibt uniform. Darin könnte nun also der/die Kunstschaffende viel ausprobieren, es gar für seine Kunst nutzen...
Zum Glück sprach ich am Abend des mail-Austauschs mit meiner Kundin noch mit einem Web-Analysten über dieses Thema. Er zeigte mir diesen Link auf mashable: Hier sieht man unter anderem wie Künstler die neuen facebook-Profile kreativ umgebaut haben - dem französischen Künstler Alexandre Oudin, der diese Aktion gestartet hat, sei Dank! Er zeigt seine optische Interpretation der Startseite. Interessant auch das (allerdings private) facebook-Profil der Zürcher Künstlerin Brigitta Garcia Lopez.
Und wer kann mir bildende Künstlerinnen und Künstler nennen, die auch inhaltlich neue, lesenwerte Wege gehen und via inspirierende Statusmeldungen auffallen? Bitte um Hinweise!
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Alexandr Oudins Startseite auf facebook: Geschickt manipulierte Optik.

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